Christian Fritzsch

Der Hofkupferstecher Christian Fritzsch lebte in Schiffbek und besaß im 18. Jahrhundert in Hamburg eine Monopolstellung für Porträts. Sein Werk beinhaltet auch präzise ausgeführte Darstellungen schleswig-holsteinischer Städte, Bauten, Anlagen und Persönlichkeiten.

Ausbildung

Fritzsch absolvierte eine Lehre bei dem Kupferstecher Martin Bernigeroth in Leipzig. 1718 bildete er sich in Hamburg bei dem späteren dänischen Hofmaler Johann Salomon Wahl im Porträtstechen weiter. Durch die erlernte technische Präzision konnte er später auch perspektivische Ansichten anfertigen.

Beruflicher Werdegang

In Hamburg machte sich Fritzsch rasch als Kupferstecher einen Namen und beherrschte bald den Markt für das Stechen von Porträts. Als erste Arbeit fertigte er 1719 einen Stich des Jubelmahles der Bürgerkapitäne anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Bürgerwache an. Um 1720 ernannte Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf Fritzsch zu seinem Hofkupferstecher. In dieser Funktion stach er Porträts, aber auch Ansichten bekannter Bauten und Anlagen. Außerdem arbeitete er für den Buchdruck.

Lebenslauf

Geboren 1695 als Sohn eines reichen Schäfers in Sachsen, hielt Fritzsch sich nach seiner Lehre zunächst eine Zeit lang in Leipzig auf. 1718 reiste er zu seinem Freund, dem Porträtmaler Johann Salomon Wahl, nach Hamburg. Hier erwarb er am 08.04.1718 das Bürgerrecht und heiratete im selben Jahr Anna Elisabeth Gebien.

Sein Gönner Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf überließ Fritzsch in Schiffbek ein Haus mit Garten, in dem dieser dann bis zu seinem Lebensende wohnte. Die Nähe zu Hamburg erlaubte es ihm, Kontakte zu den dortigen Druckern und Verlegern zu pflegen. Seine beiden Söhne halfen ihm bereits früh bei seiner künstlerischen Arbeit und wurden später selbst Kupferstecher. Christian Friedrich fertigte schon als 15-Jähriger ein viel beachtetes Porträt seines Vaters in allegorischer Umgebung (1734).

Kupferstich des Barockgarten Jersbek, 1747

Werk/Aktivitäten

Fritzschs breites Werk umfasst circa 200 Porträts, die er nach Vorlagen bekannter Maler gefertigt hat. Sie nehmen sowohl Bezug auf Hamburg als auch auf Schleswig-Holstein. So bildete er neben Hamburger Ratsherren und Predigern auch schleswig-holsteinische Herrscher ab, unter anderem Christian IV. von Dänemark und seinen eigenen Mäzen Karl Friedrich. Er porträtierte auch Persönlichkeiten aus dessen Umfeld: den Staatsmann Magnus von Wedderkop und den im Herzogtum einflussreichen Minister Georg Heinrich von Görtz. Zudem entstanden zahlreiche perspektivische Ansichten, wie jene des Plöner Schlosses. Bedeutsam für Stormarn ist sein großer Kupferstich des Barockgartens des Gutes Jersbek, den er 1747 nach einer Vorzeichnung des Hamburger Architekten Ernst Georg Sonnin anfertigte.

Für die am Gottorfer Hof entstandenen Monumenta inedita rerum Germanicarum (1739–1745) des Kanzlers Ernst Joachim von Westphalen stach Fritzsch eine Abbildung des Schlosses Gottorf und der Stadt Schleswig. Des Weiteren schuf er mehrere Grundrisse und Pläne, so jenen des Görtzschen Stadtpalais in Hamburg. Für den Buchdruck lieferte er Titelkupfer, Illustrationen und Vignetten, beispielsweise für Friedrich von Hagedorn (Gedichte, 1729), Barthold Hinrich Brockes (Irdisches Vergnügen in Gott, 1721–1748) oder Johann Peter Willebrand (Hansische Chronik, 1748). Schließlich stach er auch zahlreiche Gelegenheitsblätter, unter anderem Abbildungen von Bühnendekorationen des Hamburger Opernhauses sowie von einem prachtvollen Feuerwerk, das 1742 zu Ehren der Kaiserkrönung Karls VII. von Wittelsbach auf der Alster abgebrannt wurde.

Bedeutung

Alfred Lichtwark schrieb Fritzsch großes technisches Geschick, aber kaum künstlerisches Potenzial zu. Die Vielzahl seiner Aufträge bezeugt jedoch die enorme zeitgenössische Beliebtheit seiner Stiche. Heute vermitteln sie anschauliche Vorstellungen historischer Orte und Personen, deren Aussehen ohne ihn vielfach nicht überliefert wäre.

Persönlichkeiten

Martin Bernigeroth GND: 122027248
Johann Salomon Wahl GND: 1015898386
Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 104193360
Magnus von Wedderkop GND: 100879586
Georg Heinrich von Görtz GND: 118695886
Ernst Joachim von Westphalen GND: 10097841X
Ernst Georg Sonnin GND: 118751492

Familienname

Fritzsch

alternative Schreibweisen Familienname

Fritsch, Fritzschius, Fritschius, Fritsche

vollständige Vornamen

Christian

Geburtsdatum

03.04.1695

Sterbedatum

28.09.1769

Sterbeort

Schiffbek

Geschlecht

männlich

Berufe

Kupferstecher

Funktionen, Rang

Hofkupferstecher

Ehe-/Lebenspartner

Anna Elisabeth Fritzsch, geb. Gebien

Kinder

Christian Friedrich Fritzsch (1719-1774), Johann Christian Gottfried Fritzsch (1720-1802)

Literatur

  • Rump, Ernst: Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs, Altonas und der näheren Umgebung. Hamburg, Bröcker 1912, GVK: 143343483
  • Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig, Seemann 1916, GVK: 028165438
  • Saur allgemeines Künstlerlexikon : die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. München [u.a.], Saur 2005, GVK: 487222288
  • Verein für Hamburgische Geschichte: Hamburgisches Künstler-Lexikon. Hamburg, Hoffmann und Campe 1854, GVK: 232439370
  • Lichtwark, Alfred: Das Bildnis in Hamburg : der Kunstverein zu Hamburg. Hamburg, Verl.-Anst. und Druckerei A.-G. 1898, GVK: 14636631X

Weitere Literatur