Carl Harz

Carl Harz war Schiffsmakler und Publizist. Er verfasste sozial- und religionskritische Schriften und förderte die Stadtentwicklung und den Tourismus in Reinfeld (Holstein).

Ausbildung

Carl Harz durchlief die Mittelschule in Altona und absolvierte anschließend eine Lehre zum Buchdrucker und Schriftsetzer in Stade.

Beruflicher Werdegang

Carl Harz arbeitete nach seiner Ausbildung einige Jahre als Schriftsetzer für die Hamburger Börsenhalle und übernahm nach dem Tod seines Vaters dessen Gaststätte und das dazugehörige Zolldeklarationsbüro. Anschließend wirkte er ab 1888 bis zu seinem 70. Lebensjahr als Schiffsmakler beim „Schifferverband der Unterelbe e.V.“ sowie als Immobilienmakler und Kaufmann.

Lebenslauf

Am 14.02.1860 wurde Karl Harz als Sohn des Gasthofbesitzers, Zolldeklaranten und Stadtverordneten Joachim Harz und seiner Frau Marie Harz, geborene Behrens, in Altona geboren. Später entschied er sich, die Schreibweise in Carl Harz zu ändern. 1895 heiratete er Sophie Aldenrath aus Willendorf, aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Neben seiner Arbeit im Schifferverband bildete die Gründung einer Villenkolonie bei Reinfeld ein weiteres Projekt. Diesen Ort hatte er durch Besuche im nahe gelegenen Willendorf, dem Heimatdorf seiner Frau, kennen gelernt. 1902/1903 erwarb Carl Harz im Südosten der Ahrensböker Straße (Landgemeinde Neuhof) ein Gelände von 40.000 Quadratmetern und im Nordwesten (Landgemeinde Steinhof) ein Gelände von 55.000 Quadratmeter und ließ darauf mehrere Straßen anlegen sowie Grundstücke erschließen. Zu dieser Zeit wurde er mit seinem Zweitwohnsitz in Reinfeld ansässig und engagierte sich für die Ortsverschönerung.

Mit dem Ziel, Reinfeld zu einem Luftkurort für wohlhabende Hamburger und Lübecker zu entwickeln, ließ er 1905 ein Kurhaus mit fünfzig Betten und einer Badeanstalt am Herrenteich errichten sowie einen großen Park mit Seepavillon anlegen. Zudem veranlasste er den Bau des Sängerplatzes und der Claudius-Brücke am Herrenteich sowie von Wanderwegen. 1908 gründete er zur Hebung des Fremdenverkehrs den „Verkehrsverein Reinfeld-Neuhof-Steinhof“. Zudem initiierte er die Gründung einer Baugesellschaft, die Wohnraum für Arbeiterfamilien schaffen sollte und rief eine Kindergenossenschaft ins Leben. In seiner „Villenkolonie Harz“ verkaufte er bezugsfertige Häuser ebenso wie freie Baugrundstücke. 1910 war Harz Mitbegründer der Gemeinnützigen Wandsbeker Gartenstadt-Gesellschaft.

Jedoch musste Carl Harz auf Grund der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen des Ersten Weltkrieges und seiner Folgen die ambitionierten Pläne aufgeben: Er war aus finanziellen Gründen in den 1920er-Jahren gezwungen, eigene Gebäude und Grundstücke wieder zu verkaufen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Carl Harz als bekannter Regimekritiker durch Anzeigen, Verwarnungen und Hausdurchsuchungen drangsaliert. 1943 forderte er Adolf Hitler in einem Telegramm auf, den Krieg zu beenden. Daraufhin wurde er in das Gestapo-Gefängnis in Lübeck-Lauerhof eingeliefert. Dort lebte er er vier Wochen in sogenannter Schutzhaft, bevor er am 13.08.1943 in seiner Zelle starb. Nach Darstellung der Nationalsozialisten hatte er sich erhängt.

Werk/Aktivitäten

Ab seinem 25. Lebensjahr publizierte Carl Harz sozialreformerische und religionskritische Schriften im Eigenverlag. Hierbei entwickelte er die These, dass alle existierenden Religionen versagt hätten, da keine von ihnen Kriege, Armut und Ungerechtigkeit beseitigt habe. Konnte Carl Harz während der Weimarer Republik - wenn auch wenig erfolgreich - seine Schriften publizieren, so ändert sich das ab 1933 unter der NS-Diktatur. Ab 1939 wurden ihm jegliche schriftstellerischen Tätigkeiten untersagt.

Bedeutung

Mit seinen Projekten schuf Carl Harz die Grundlagen für die touristische Erschließung und Vermarktung Reinfelds und der Umgebung, die bis heute das Ortsbild prägen.

Ehrenämter

1908 wurde Carl Harz Erster Vorsitzender des Reinfelder Bürgervereins.

Ehrungen und Preise

Die Stadt Reinfeld benannte die ehemalige Karlstraße in Carl-Harz-Straße um.

Im März 2014 verlegte der Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein für Carl Harz vor seinem letzten freigewählten Wohnsitz in der heutigen Carl-Harz-Straße 6. Nachdem dieser bis zur Unlesbarkeit zerstört worden war, ersetzte der Künstler ihn im Juni 2017 durch einen neuen Stein.

Persönlichkeiten

Joachim Harz

Familienname

Harz

vollständige Vornamen

Hans Karl Valentin

Rufname

Karl (Carl)

Geburtsdatum

14.02.1860

Geburtsort

Altona

Sterbedatum

13.08.1943

Sterbeort

Lübeck

Geschlecht

männlich

Ehe-/Lebenspartner

Anna Marie Sophie Harz, geb. Aldenrath (1867-1953)

Kinder

ein Sohn und vier Töchter

Eltern

Joachim Harz (1828-1882); Marie Harz, geb. Behrens (1830-1916)

Literatur

  • Zunk, Bodo: Carl Harz - ein Kaufmann mit Weitblick. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl, Band 13 (1995), S. 63-65, GVK: 1005309221
  • Martin Ewald: Harz, Carl. Neumünster, Karl Wachholtz Verlag 1974, In: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon, Band III, GVK: 740283723

Weitere Literatur