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Berufliche Schule des Kreises Stormarn (Bad Oldesloe, Gebäude)

Das 1977 fertiggestellte Gebäude der Beruflichen Schule ist ein frühes Werk des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner (gmp).

Ansicht der Westfassade, 1981

Außenarchitektur

Die Berufliche Schule besteht aus dem winkelförmigen, dreigeschossigen Hauptbaukörper, einem zweigeschossigen Klassenflügel im Westen sowie den eingeschossigen Werkstätten im Osten und der Sporthalle im Süden. Zwischen den Gebäudeteilen sind Treppenhäuser aus Sichtbeton teils gelenkartig eingespannt.

Bedingt durch die Topografie des Grundstücks mit einem Gefälle von ca. acht Metern ist das Untergeschoss des Hauptbaus einseitig in den Hang eingebunden. Die graue vorgehängte Waschbetonfassade mit abgerundeten Ecken und ovalen Fensteraussparungen ist durch mehrteilige durchlaufende gelbe Fensterbänder gegliedert.

Einweihungsfeier im Pädagogischen Zentrum, 1977

Innenarchitektur

Das Innere der von Norden erschlossenen Schule ist geprägt durch das Pädagogische Zentrum, eine multifunktionale, zweigeschossige Halle, um die sich die übrigen Funktionsbereiche winkelförmig anordnen. Eine gegenläufige Freitreppe dient als Haupterschließung aller drei Geschosse. Die Sporthalle und die Werkstätten besitzen Oberlichter.

Das von der Künstlergemeinschaft Gerhard Backschat und Erich Lethgau entworfene Farbkonzept mit wellenförmigen Mustern an den Wänden, gelben Tür- und Fensterelementen sowie Handläufen zieht sich durch die Gebäude. Die bauzeitlichen gelben Blendrasterdecken sind noch im Eingangsbereich des Hauptbaus sowie den angrenzenden Klassen erhalten.

Materialien

Bei dem Bau handelt es sich um eine Stahlbetonskelettkonstruktion, die mit Sichtbetonplatten verkleidet wurde. Seit den Sanierungsmaßnahmen besitzen Teile der Fassade Aluminiumkonstruktionen statt des Stahlgerüsts für eine bessere thermische Dämmung.

Richtfest, 1975

Geschichte

Seit Anfang der 1960er-Jahre zeigten sich in der Kreisberufsschule Stormarn an der Grabauer Straße deutliche Platzprobleme wegen der steigenden Schüler:innenzahlen, gewandelten Anforderungen im Rahmen der Technisierung des Unterrichts sowie eines erweiterten Bildungsangebots.

1966 begannen Überlegungen für einen Neubau. Das bis 1968 erarbeitete Raumprogramm wurde 1969 vom Kultusministerium Schleswig-Holstein genehmigt, 1972/73 an den weiteren Raumbedarf des integrierten Fachgymnasiums angepasst und 1973 genehmigt.

Durch Grundstücksankäufe 1967–1976 stand für den Bau ein kreiseigenes Gelände in Bad Oldesloe zwischen Schanzenbarg, Ratzeburger und Sehmsdorfer Straße zur Verfügung.

Im März 1970 beschloss der Kreistag die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs, den die Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg mit Eike Wiehe (heute gmp) im Oktober 1970 gewannen. 1971 sprach sich der Kreistag für den Entwurf und die Beauftragung der Architekten aus.

Am 01.06.1974 erfolgte der endgültige Auftrag an das Architekturbüro. Die Schulaufsicht genehmigte den Bau 1974/75 in zwei Finanzierungsabschnitten. Im März 1975 stimmte der Kreistag dem Finanzierungsplan zu: Der Eigenanteil des Kreises betrug 60 % der Kosten, 30 % kamen aus Mitteln von Bund und Land, 10 % aus Fördermitteln.

In einem Wettbewerb zur künstlerischen und farblichen Ausgestaltung des Baus wählten Fachleute und Kreisausschuss 1975/76 den Entwurf der Arbeitsgemeinschaft der Lübecker Künstler Gerhard Backschat und Erich Lethgau aus. Die Hamburger Gartenarchitekten Hinnerk Wehberg und Gustav Lange gestalteten die Außenanlagen mit Eingangshof, Sitzterrassen und bewachsenen Hügeln.

Nach dem Baubeginn am 01.04.1975 konnten die einzelnen Gebäudeteile von Mai bis Juli 1977 übergeben werden. Am 15.07.1977 fand die Einweihung statt. Die Kosten für den Bau inklusive Grundstücksankäufen lagen bei ca. 19 Mio. DM. Bis 1979 entstand noch eine Freisportanlage.

Im Rahmen erweiterter Bildungsaufgaben und der Verselbstständigung der Ahrensburger Außenstelle wurde die Schule 1981 in Berufliche Schule des Kreises Stormarn (Bad Oldesloe) umbenannt.

Die räumliche Struktur blieb in den folgenden Jahrzehnten weitgehend unverändert. Neben der nachträglichen Errichtung etlicher Brandschutzabschnitte und der Modernisierung der sanitären Einrichtungen entstand eine barrierefreie Aufzugsanlage.

2009/10 wurde im Rahmen eines Modellprojekts der Bundesregierung unter Beteiligung der Architekten von gmp eine Studie zur energetischen Gesamtsanierung des mittlerweile denkmalgeschützten Gebäudes erstellt. Auf dieser Basis fanden ab 2011 mit Mitteln des Kreises umfangreiche Sanierungsarbeiten an Fassaden und Dach statt, eine Fotovoltaikanlage wurde installiert sowie die technische Gebäudeausrüstung und Beleuchtungskörper modernisiert.

2019–2021 entstand aufgrund erneuten Raummangels auf dem westlichen Gelände nach Plänen des Hamburger Architektenbüros ams ein Erweiterungsbau mit 22 Klassenräumen, der mit dem Altbau über eine schlanke Brücke verbunden ist.

Bedeutung

Der Bau verbindet Funktionalität und Ästhetik durch den zeittypischen Einsatz farbiger Elemente und gilt daher als einer der bedeutendsten Schulbauten der 1970er-Jahre in Schleswig-Holstein.

Nutzung

Das Gebäude wird genutzt von der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn (Bad Oldesloe).

Erhaltungszustand

Nach den Sanierungsmaßnahmen ist der Schulbau in einem guten Zustand.

Besonderheiten

Im Kellergeschoss wurde beim Bau ein Luftschutzraum integriert.

Persönlichkeiten

Meinhard von Gerkan GND: 120572427
Volkwin Marg GND: 121744345
Eike Wiehe
Erich Lethgau GND: 118727818
Gerhard Backschat GND: 140210482

Datierung Schutzstellung

08.12.2008

Begründung Schutzstellung

Das Gebäude mit weiten Teilen der inneren Gestaltung und Ausstattung sowie die umliegenden Außenanlagen gelten aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

14 400
Berufliche Schule des Kreises Stormarn (Bad Oldesloe, Gebäude) business 53.8078140000 10.3977330000

Ort

Schanzenbarg 2 a
23843 Bad Oldesloe

GPS-Standort

53° 48' 28'' N, 10° 23' 51'' O

Auftraggeber

Kreis Stormarn

Planer/Architekt

von Gerkan, Marg und Wiehe, Hamburg; Architekturbüro ams, Hamburg

Errichtungsdatum

1975–1977, 2019–2021

Strukturansicht

Literatur

  • Schulzentren = School-centres. Stuttgart, Krämer 1973, GVK: 1081828978
  • 50 Jahre Berufliche Schulen des Kreises Stormarn. Neumünster, Wachholtz 1988, GVK: 162845413
  • Protzak, Roman : Berufliche Bildung in Stormarn. Entwicklung – Bedeutung – Perspektiven: Festschrift anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Beruflichen Schulen in der Trägerschaft des Kreises Stormarn. Reinfeld, Masuhr Druck- und Verlags GmbH 2013, GVK: 1010150383
  • Berufliche Schulen des Kreises Stormarn. 1977, GVK: 1027303455

Weitere Literatur