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Arthur Illies

Der zeitweise in Stormarn lebende Maler und Grafiker Arthur Illies prägte die Freiluftmalerei im Raum Hamburg und war Mitbegründer des Alstervereins e. V.

Ausbildung

Nachdem Arthur Illies das Realgymnasium des Johanneums in Hamburg mit der Obersekunda-Reife (Einjähriges) verlassen hatte, absolvierte er 1886-1889 eine Ausbildung zum Dekorationsmaler. Sowohl während seiner Schul- als auch Ausbildungszeit besuchte Illies Zeichenkurse, u. a. an der Hamburger Gewerbeschule bei Paul Düyffcke. 1889 begann er ein Studium an der Kunstgewerbeschule in München und wechselte 1890 an die dortige Königliche Akademie der Bildenden Künste. Im Frühjahr 1892 brach er sein Studium ab, um sich in Hamburg der weiteren künstlerischen Entwicklung zu widmen.

Beruflicher Werdegang

1895-1906 war Arthur Illies Lehrer für kunstgewerbliche Entwürfe an Valeska Rövers Hamburger Malschule für Damen. Ab 1908 lehrte er an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Hamburg die Fächer Figürliche und Aktmalerei. Nach seiner Entlassung 1933 arbeitete Illies ausschließlich als freischaffender Maler.

Lebenslauf

Arthur Illies wuchs als Sohn eines Kaufmanns in Hamburg-Hohenfelde auf. Nach seiner Rückkehr aus München und der Fertigstellung eines eigenen Ateliers in der Friedensstraße wirkte er als freischaffender Maler. Im Mittelpunkt seiner Freiluftkunst stand die Landschaft des Hamburger Umlandes.

Schnell fand Illies Zutritt zur Hamburger Kunstszene und lernte dabei u. a. Alfred Lichtwark und Justus Brinckmann kennen. Auf Anregung Lichtwarks gründete Illies 1897 u. a. mit Arthur Siebelist, Ernst Eitner, Thomas Herbst und Julius Wohlers den Hamburgischen Künstlerklub. Dessen impressionistisch geprägte Freiluftkunst erfuhr in der Öffentlichkeit teils heftige Ablehnung. 1900 zählte Illies zu den Mitgründern des Alstervereins um Ludwig Frahm.

In dieser Zeit nahm seine Bedeutung rasch zu. Alfred Lichtwark erwarb zwei seiner Bilder für die Kunsthalle. Zugleich experimentierte Illies mit der Kupferdruckpresse und entwickelte neue Druckverfahren. Für den Hamburgischen Künstlerklub gestaltete er Grafikmappen, Plakate und – wie auch für den Alsterverein – das Abzeichen.

1898/99 bezog Illies in der Landgemeinde Lemsahl-Mellingstedt (heute Hamburg) ein nach eigenen Entwürfen gestaltetes Haus, bevor er 1900 seine Schülerin Minna Schwerdtfeger heiratete. Diese starb 1901 kurz nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter. 1905 ging er eine weitere Ehe mit seiner Schülerin Georgine Rabeler ein. In Mellingstedt entstand eine Serie von Alstertal-Bildern, die 1902 und 1904 in der Hamburger Galerie Commeter gezeigt wurden. 1910 zog er mit seiner Familie zurück nach Hamburg. Anfang 1916 war er für drei Monate als Maler an der Kriegsfront u. a. im polnischen Jabłoń tätig.

Zwischen den Weltkriegen wandte sich Illies v. a. religiösen Bildern und norddeutschen Städteansichten mit Backsteinarchitektur zu. 1928 gestaltete er den Innenraum der Erlöserkirche in Hamburg-Borgfelde mit Auferstehungs-Wandbildern.

Nach Beginn der nationalsozialistischen Diktatur trat Illies, der schon in den 1920er-Jahren durch antisemitische Äußerungen aufgefallen und Mitglied im völkisch ausgerichteten Kampfbund für deutsche Kultur war, der NSDAP bei. Nun prägten v. a. Stillleben und Landschaften sein Schaffen. Bis 1945 zeigte er seine Werke in NS-Ausstellungen, u. a. in den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München. 1935 schuf er einen dann abgelehnten Entwurf für eine in nationalsozialistischer Symbolik gehaltene Ausgestaltung des Lübecker Holstentors.

Illies, der 1933 nach Wandsbek gezogen war, siedelte sich im Folgejahr in Ochtmissen und 1937 schließlich in Lüneburg an. Nach der Besetzung der Stadt durch britische Truppen 1945 musste er seine Wohnung verlassen und lebte bis zu seinem Tod mit seiner Frau im Alten Kaufhaus, seinem Lüneburger Atelier. Im Entnazifizierungsverfahren wurden Illies wegen seiner nationalsozialistischen Aktivitäten 1946 die Pensionsansprüche zunächst verweigert, in einem Wiederaufnahmeverfahren dann zugestanden.

Bedeutung

Arthur Illies zählte um 1900 zu den Begründern einer Ära Hamburger Freiluftmalerei, in deren Mittelpunkt u. a. das Alstertal stand. Seine Arbeiten waren geprägt von Impressionismus, Jugendstil und Symbolismus. Zugleich gilt er als bedeutender Vertreter grafischer Kunst, u. a. wegen seiner Wanddekorationen. Ab 1933 stellte er seine Kunst in den Dienst der nationalsozialistischen Kulturpolitik.

Ehrenämter

1897 Gründungsvorsitzender des Hamburgischen Künstlerklubs
1920-1924 Vorsitzender der Hamburgischen Künstlerschaft

Ehrungen und Preise

1920 Ehrenmitglied des Alstervereins e. V.
1926 Ernennung zum Professor

In Hamburg-Steilshoop erinnert der Illies-Weg und im Alstertal die Illies-Brücke an den Künstler.

Besonderheiten

Viele von Arthur Illies’ Werken wurden bei Luftangriffen auf Hamburg im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach seinem Tod gingen in seinem Lüneburger Atelier zahlreiche Werke durch einen Brand verloren.

1998 wurde von Illies’ Tochter Anke Maria Müller-Illies die Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung gegründet, die den Nachlass des Künstlers betreut und Ausstellungen organisiert.

Persönlichkeiten

Ernst Eitner GND: 116437715
Alfred Lichtwark GND: 118572652
Thomas Herbst GND: 116729953
Arthur Siebelist GND: 117338648
Ludwig Frahm GND: 116692251
Julius Wohlers GND: 117457124
Valeska Röver GND: 1238699774
Paul Düyffcke GND: 130049913
Justus Brinckmann GND: 11851539X

Links

Arthur und Georgie Illies Familien-Stiftung: https://www.illies-stiftung.de/ (Zugriff am 01.09.2022).

Familienname

Illies

vollständige Vornamen

Karl Wilhelm Arthur

Rufname

Arthur

Geburtsdatum

09.02.1870

Geburtsort

Hamburg

Sterbedatum

27.05.1952

Sterbeort

Lüneburg

Begräbnisort

Hauptfriedhof Hamburg-Ohlsdorf

Geschlecht

männlich

Berufe

Künstler, Maler, Grafiker, Lehrer

Funktionen, Rang

Professor

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Minna Ragna Elisa Illies, geb. Schwerdtfeger (1877–1901); 2. Ehe: Alma Georgine Illies, geb. Rabeler (1880–1960)

Kinder

Mit Minna Illies eine Tochter; mit Georgine Illies zwei Töchter, drei Söhne

Eltern

Theodor Friedrich Wilhelm Illies; Albertine Caroline Mathilde Illies, geb. Schwarze

Strukturansicht

Literatur

  • Meyer-Tönnesmann, Carsten: Arthur Illies 1870–1952. Hamburg, Verl. Verein f. Hamburg. Geschichte 1989, In: Die Maler Arthur Illies, Friedrich Ahlers-Hestermann, Karl Kluth, Hamburg: Verl. Verein für Hamburg. Geschichte, 1989, (1989), Seite 7–26, GVK: 342674641
  • Illies, Arthur: Das graphische Werk. Hamburg, Christians 1970, GVK: 195528786
  • Illies, Arthur: Arthur Illies Zeichnungen, Briefe, Lüneburg. Hamburg, Christians 1985, GVK: 026534770
  • Illies, Arthur: Arthur Illies aus Tagebuch und Werk, 1870–1952. Hamburg, Christians 1983, GVK: 127058826

Weitere Literatur