Wilhelm von Levetzau

Wilhelm von Levetzau war sowohl der letzte Amtmann der landesherrlichen Ämter Reinbek, Trittau und Tremsbüttel als auch von 1868 bis 1880 der erste preußische Landrat des neu gebildeten Landkreises Stormarn.

Ausbildung

Wilhelm von Levetzau erhielt zunächst Privatunterricht. Ab 1836 besuchte er die Gelehrtenschule in Plön, die er 1840 mit dem Abitur verließ. Er studierte an den Universitäten Heidelberg, München, Berlin und Kiel Rechtswissenschaften und legte 1846 seine Erste juristische Prüfung vor dem Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Oberappellationsgericht in Kiel ab. Anschließend erwarb er einige Monate lang erste Verwaltungserfahrungen als Referendar bei der deutschen Abteilung der königlichen Rentekammer zu Kopenhagen.

Beruflicher Werdegang

In Kopenhagen war Wilhelm von Levetzau ab 1846 als Kanzlist im Kabinett Christians VIII. von Dänemark tätig. 1851 wurde er in den Herzogtümern dem landesherrlichen Amt Flensburg zugeteilt, wo er die Aufgaben eines Hardesvogts für die Husby- und die Nieharde übernahm. Nach seiner Ernennung zum Amtmann kam er 1852 an das Amt Neumünster und wechselte 1857 nach Itzehoe an das Amt Steinburg, wo er zugleich als Oberintendant für das königliche Gut Drage zuständig war.

Zum 16.01.1866 erfolgte Levetzaus Versetzung als Amtmann der drei stormarnschen landesherrlichen Ämter Trittau, Reinbek und Tremsbüttel an deren Amtssitz im Schloss Reinbek. Nach der Annektierung der Herzogtümer Schleswig und Holstein durch Preußen 1867 wurde er am 09.03.1868 zum Landrat des neuen Landkreises Stormarn ernannt. Zum 01.07.1880 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt aus und ließ sich in den Ruhestand versetzen.

Lebenslauf

Wilhelm von Levetzau stammte aus dem dänischen Zweig einer ursprünglich in Mecklenburg beheimateten Adelsfamilie. Sein Vater war Amtmann in Flensburg und später königlicher Oberhofmarschall. Der Sohn entschied sich gleichfalls für eine Verwaltungslaufbahn. 1856 wurde ihm der Titel eines Königlichen dänischen Kammerherrn verliehen. Außerdem nahm Levetzau während seiner Zeit als Amtmann 1855, 1857 und 1859 als königlicher Kommissar an der holsteinischen Ständeversammlung teil.

Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Sophia, die er am 15.08.1849 geheiratet hatte, ging Levetzau 1857 eine zweite Ehe mit Mathilde Caroline von Moltke ein.

Als Amtmann in Stormarn hatte Levetzau administrative, rechtliche und fiskalische Aufgaben inne. Er war nicht nur für die gemeinsame Verwaltung der drei Altstormarner Ämter zuständig, sondern fungierte zudem als Kommissar für die Adligen Gütern Blumendorf, Borstel, Grabau, Höltenklinken, Hohenholz, Hoisbüttel, Jersbek mit Adliges Gut Stegen, Krummbek, Schulenburg, Wulksfelde und Marienthal im Itzehoer Güterdistrikt sowie für die Kanzleigüter Silk und Tangstedt und den nicht landesherrlichen Teil des Gutes Wellingsbüttel. Außerdem betreute er als Intendant die königlichen Güter Wandsbek und Wellingsbüttel. Damit übernahm er bereits vor seiner Ernennung zum Landrat die Verantwortung für einen Großteil des Gebietes des späteren preußischen Landkreises Stormarn.

Ab 1868 bestand Levetzaus vordringlichste Aufgabe als Landrat in der Bewältigung der vielfältigen Veränderungen in der Verwaltung, die mit der Eingliederung der Herzogtümer nach Preußen einhergingen. So verantwortete er die Erhebung von Steuern und hatte die Kommunalaufsicht, Schulaufsicht und Oberaufsicht über die Polizeiverwaltung inne. Durch die Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht war er mit der Einberufung anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) befasst. Zur schnellen Verbreitung der neuen Vorschriften und amtlichen Bekanntmachungen unter der Bevölkerung initiierte Levetzau das „Kreisblatt für Stormarn“, welches ab 1877 erschien. Mit Verlegung des Landratssitzes 1873 von Reinbek in das aufstrebende Wandsbek trug er erstmals der wirtschaftlichen Entwicklung der hamburgnahen Kommunen Rechnung.

Levetzau kandidierte 1867 und 1876 als Mitglied der Konservativen Partei für das Preußische Abgeordnetenhaus.

Bedeutung

Wilhelm von Levetzau übernahm in der doppelten Funktion des Amtmanns und des Landrates eine wichtige Funktion als Bindeglied zwischen der dänischen landesherrlichen und der preußischen Verwaltung. Damit prägte er den Kreis Stormarn in dessen ersten Jahren maßgeblich.

Ehrenämter

1848 wurde Wilhelm von Levetzau zum Ehrenritter des Johanniterordens sowie zum Kommandeur des St. Stanislausordens ernannt. 1850 wurde er Ritter des Nordsternordens, 1854 Ritter und 1859 Kommandeur des Danebrogordens II. Klasse. 1865 folgte noch das Ehrenamt des Ritters des Königlichen Kronenordens II. Klasse.

Persönlichkeiten

Christian VIII. von Dänemark GND: 119382091

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Levetzau, von

vollständige Vornamen

Wilhelm Friedrich Ludwig Theodor

Rufname

Wilhelm

Geburtsdatum

08.04.1820

Geburtsort

Flensburg

Sterbedatum

22.05.1888

Sterbeort

Lübeck

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Verwaltungsjurist

Funktionen, Rang

Kanzlist 1846–1851, Hardesvogt 1851, Amtmann 1852–1868, Landrat 1868–1880

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Sophie Marie Asuntha Catherine von Levetzau, geb. von Blücher-Altona (1827-1851); 2. Ehe: Mathilde Caroline von Levetzau, geb. von Moltke (1832–1882)

Kinder

eine Tochter

Eltern

Joachim Godsche von Levetzau (1782–1859), Wilhelmine Charlotte von Levetzau, geb. von Stolle (1798–1822)

Landrat: Amtsinhaber

Literatur

  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373

Weitere Literatur