Wassermühle Nütschau

Die ehemalige Wassermühle des Adligen Gutes Nütschau liegt auf der Westseite der Trave, gegenüber der Nütschauer Schanze.

Außenarchitektur

Das im 18. Jahrhundert errichtete Mühlengebäude ist ein traufständiger, seit Mitte des 19. Jahrhunderts zweigeschossiger Bau mit einem Krüppelwalmdach. Das Erdgeschoss ist in Ziegelmauerwerk und das Obergeschoss als Fachwerkbau ausgeführt. Der zur Trave gewandte Giebel steht auf einem hohen Sockel aus Granitquadern. Das Mühlenrad, das außen angesetzt war, ist nicht erhalten. Zu der Mühle gehören ein gegenüber liegender ehemaliger Pferdestall und ein 1878 errichtetes Backhaus.

Innenarchitektur

Die Innenräume sind heute zu privaten Wohnräumen umgebaut. Nach der Beschreibung des 1856 in der Mühle geborenen Journalisten Rudolph Geerdts führte die Eingangstür von der Straßenseite aus auf eine Diele, von der links eine Gaststube abging. Außerdem lagen dort weitere Räume sowie Küche und Backstube. Auf der rechten Seite der Diele befanden sich die Mühlenräume: Unten wurden Mehl und Korn gelagert, im ersten Stock befanden sich die Mahlgänge und auf dem Dachboden das große Stirnrad, das die Mahlgänge und die Sackwinde antrieb.

Materialien

Das Mühlengebäude ist ein für Norddeutschland typischer Backsteinbau mit einem Obergeschoss in Fachwerkbauweise und einem reetgedeckten Dach.

Geschichte

Die Wassermühle an der Trave ließ der Gutsbesitzer Johann Matthias Schalburg 1778 errichten. Die Bewohner des Dorfes Vinzier und der Häuser auf den Hoffeldern des Gutes unterlagen dem Mahlzwang. Um die Strömung der Trave für die Mühle zu verstärken, wurden ein neuer Kanal und ein Staudamm gebaut. Aus den Überschwemmungen entstanden regelmäßig Konflikte mit den Besitzern der anliegenden Grundstücke.

1784 übertrug der Gutsbesitzer das ganze Anwesen seinem Sohn in Erbpacht. Fünf Jahre später, zum Zeitpunkt seiner Volljährigkeit, erhielt dieser es als Besitztum übertragen. Damit verbunden war unter anderem die Erlaubnis, in der Mühle alkoholische Getränke auszuschenken und eine Mälzerei und Branntweinbrennerei anzulegen. Dadurch wurde die Mühle mit ihrem Garten zu einem beliebten Ausflugslokal.

Der erste Müller war Herrmann Klingenberg. Er geriet 1791 aufgrund der Wasserstreitigkeiten mit seiner Pacht in Verzug und verließ bald danach Nütschau. 1797 wurde ein neuer Pachtvertrag mit Jochim Christopher Rosbült geschlossen, dessen Schwiegersohn die Mühle 1828 übernahm. Danach wurde sie durchgehend von verschiedenen Pächtern beziehungsweise nach ihrem Verkauf 1873 von ihren Besitzern in Gang gehalten. Erst 1906 wurde sie von dem damaligen Gutsbesitzer Rudolph Curtius mitsamt der Gastwirtschaft geschlossen.

Das Gebäude wurde danach für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Im Ersten Weltkrieg waren Kriegsgefangene dort untergebracht. Von 1972 an stand das Gebäude leer und verfiel. 1992 wurde es an den Fotografen Matthias Heitmann verkauft, der es restaurierte und als Wohnhaus nutzte.

Nutzung

Die Wassermühle wird heute als Wohnhaus genutzt.

Besonderheiten

Die Wassermühle liegt an einem historischen Traveübergang und gegenüber der slawischen Wallburg Nütschauer Schanze.

Sie ist nicht zu verwechseln mit der 1343 erstmals erwähnten Kolkmühle an der Pilkenbek, dem Grenzbach des Adligen Gutes Nütschau. Diese ehemalige Öl- und Graupenmühle brannte 1844 ab.

Persönlichkeiten

Johann Matthias Schalburg
Rudolph Curtius
Matthias Heitmann GND: 12204780X

Datierung Schutzstellung

16.03.1990

Begründung Schutzstellung

Geschützt aus geschichtlichen, technischen und die Kulturlandschaft prägenden Gründen. Die Unterschutzstellung von Pferdestall und Backhaus erfolgte am 08.12.1992

14 400
Wassermühle Nütschau business 53.8267120000 10.3352750000

Ort

Schlossstraße 43, 23843 Travenbrück

GPS-Standort

53° 49' 36'' N, 10° 20' 6'' O

Auftraggeber

Johann Matthias Schalburg

Literatur

  • Stormarn Lexikon. Neumünster, Wachholtz 2003, GVK: 365197653
  • Rump, Reiner: Die Mühlen in Stormarn. Hamburg, Heinevetter 1992, GVK: 11787406X
  • Rickert, Hans-Werner: Gut Nütschau vom Rittersitz zum Benediktinerkloster : eine Chronik. Kiel, Wachholtz Verlag - Murmann Publishers 2017, GVK: 895124459

Weitere Literatur