Überlandleitung des Kreises Stormarn

Die kreiseigene Überlandleitung belieferte von 1913 bis 1938 fast alle Stormarner Gemeinden mit elektrischem Strom.

Unternehmensziel und Produkte

Als Einrichtung der Kreisverwaltung strebte sie eine flächendeckende Versorgung des Kreisgebietes mit elektrischer Energie an, in Ergänzung zu bereits bestehenden lokalen Elektrizitätswerken unter anderem in Ahrensburg, Bargteheide, Reinbek und Reinfeld.

Struktur

Dem Direktor unterstanden 1937 drei Abteilungen – Kaufmännische Abteilung, Technischer Innendienst und Technischer Außendienst – sowie die Kanzlei und einzelne Sondergebiete. Zur kaufmännischen Abteilung zählten Buchhaltung, Einkauf, Registratur und Zählerableser. Dem Technischen Innendienst waren Technisches Büro, Tarifbüro, Prüfamt, Zählerwerkstatt, Schlosserwerkstatt, Kraftwagen und Lager zugeordnet. Der Technische Außendienst gliederte sich in die Bereiche Hochspannung, Niederspannung, Umspannung und Streckenwärter.

Geschichte

Der Bau einer Überlandzentrale in Lübeck-Herrenwyk regte 1909 in Stormarn Überlegungen zum Aufbau eines eigenen Leitungsnetzes für die Stromversorgung im Kreisgebiet an. Der Stormarnsche landwirtschaftliche Kreisverein trug im Dezember desselben Jahres die Diskussion in die Öffentlichkeit. Im Auftrag des Kreisausschusses verhandelte Landrat Joachim von Bonin mit der Hanseatischen Siemens-Schuckert Werke GmbH. Diese führte im Frühjahr 1910 eine kreisweite Bedarfsermittlung und im Sommer 1912 Informationsvorträge in den Stormarner Gemeinden durch.

Am 08.07.1912 genehmigte der Stormarner Kreistag den mit der Siemens Elektrische Betriebe AG (ab 1925 Nordwestdeutsche Kraftwerke AG, NWK) ausgehandelten Stromlieferungsvertrag sowie eine Anleihe bis 850.000 Mark für Planung und Ausbau der Stromversorgungsanlagen.

Angelpunkt war die Haupttransformatorenstation im Norden Bargteheides, welche die 30.000-Volt-Hochspannung aus der Überlandzentrale Lübeck-Herrenwyk auf die 11.000-Volt-Netzstärke im Kreisgebiet umwandelte. Das Leitungsnetz bestand aus drei Stromkreisen für den Nordosten, Süden, und Südwesten Stormarns. Über Ortswandler in den Gemeinden speiste es Hausanschlüsse bei Privatabnehmern, Handwerks-, Gewerbe- und Industriebetrieben. Die Verwaltungszentrale saß im Stormarnhaus in Wandsbek.

1913 errichteten die Siemens-Schuckert Werke, mit einem Baubüro in Bad Oldesloe, die Haupttransformatorenstation, das innerstormarnsche Niederspannungsnetz, die Ortswandleranlagen für anfangs 97 Orte und 11 Gutsbezirke sowie die Ortsnetze samt Hausanschlüssen und Zählern. Am 27.10.1913 wurde die Stromversorgungsanlage in Betrieb genommen. Zunächst versorgte das 11.000-Volt-Netz mit einer Gesamtlänge von circa 338 Kilometern auf einem Gebiet von etwa 679 Quadratkilometern mit rund 40.000 Kreisbewohnern etwa 2.160 Stromkunden.

Seit 1921 führte eine zusätzliche Hochspannungsleitung der Hamburgischen Elektrizitätswerke (HEW) von ihrem Kraftwerk in Tiefstack zur Haupttransformatorenstation Bargteheide. Sie gewährleistete seit 1914 die angestrebte störungsfreie Versorgung industrieller Großabnehmer wie dem Bergedorfer Eisenwerk in Sande-Lohbrügge und dem Wasserwerk der Kreisfreien Stadt Wandsbek in Großensee. 1922 schloss sich auch die Stadt Bad Oldesloe an die Überlandleitung an. Bis 1926 verdreifachten sich Stromkunden und Zählerzahl. Das innerstormarnsche Leitungsnetz wurde ausgebaut, drei neue Haupttransformatorenstationen wurden in Sehmsdorf (1926), Sande-Lohbrügge (1926/27) und Meiendorf (1934) in Betrieb genommen. Mitte der 1930er-Jahre belieferte die Überlandleitung über ihr mittlerweile 385 Kilometer langes Leitungsnetz in 164 Orten und Gütern 13.600 Stromkunden mit jährlich rund 5,5 Millionen Kilowattstunden Strom.

Zu dieser Zeit befand sich der Kreis jedoch durch die Folgen der allgemeinen Wirtschaftskrisen in enormen finanziellen Schwierigkeiten. Die Überlandleitung war überschuldet und konnte kein Kapital für den erforderlichen Ausbau von Versorgungsleitungen in mehreren, im Zuge des Aussiedlungsprogrammes aus Hamburg neu entstandenen Siedlungen aufbringen.

Das zur Konzentration der Energieerzeugung in staatlicher Hand erlassene Energiewirtschaftsgesetz der Nationalsozialisten vom 13.12.1935 sowie die Gebietsverluste durch das Groß-Hamburg-Gesetz führten schließlich am 01.04.1938 zur Übernahme der Überlandleitung durch die Schleswig-Holsteinische Stromversorgungs AG (Schleswag).

Leitung

Erich Lohe 1936-1938
Georg Heyn 1934-1936
Jakob Wegmann 1912-1934

Persönlichkeiten

Joachim von Bonin

Links

Website zu den digitalisierten Akten der Überlandleitung im Kreisarchiv Stormarn: www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/?q=&b_id=72&name=&dating_from=&dating_to= (Zugriff am 27.08.2019]
Website zu den digitalisierten Haushaltsplänen des Kreises Stormarn. Die Jahrgänge 1921, 1929-1933 sowie 1937 enthalten Angaben zur Überlandleitung: https://www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/?sort=b_id%2Cvnum&name=&grid=0&dating_from=&q=&b_id=46&dating_to=&open= (Zugriff am 27.08.2019)

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Name

Überlandleitung des Kreises Stormarn

Rechtsform

Sonstiges

Sitz

Stormarnhaus in Wandsbek

GPS-Standort

53° 34' 18'' N, 10° 4' 14'' O

Gründungsdatum

Inbetriebnahme 27.10.1913

Auflösungsdatum

Übergang an Schleswag 01.04.1938

Branchen

Energieversorgung

Leitung

Erich Lohe

Literatur

  • Griese, Kurt: Die Überlandleitung des Kreises Stormarn e. Beitr. zur Geschichte d. Stromversorgung in Schleswig-Holstein. Neumünster, Wachholtz 1984, GVK: 433443952

Weitere Literatur