Raimund Marfels

Der Fotojournalist Raimund Marfels porträtierte 1949–1989 Zeitgeschichte und kommunales Leben in Stormarn.

Ausbildung

Raimund Marfels besuchte ab 1923 zunächst die 8./9. Gemeindeschule, eine Volksschule in Berlin-Steglitz, und ging dann 1924 für zwei Jahre auf eine Privatschule, den Privatzirkel Jiencke. 1926 kehrte er wieder in die Gemeindeschule zurück. 1927 wechselte er auf das Paulsen-Realgymnasium, das er im März 1933 mit der Obersekundareife verließ. Anschließend absolvierte er bis 1936 eine technisch-kaufmännische Lehre bei der Hermann Clauberg GmbH & Co. KG, einer Maschinenfabrik und Generalvertretung für Druckereimaschinen in Berlin.

Beruflicher Werdegang

Raimund Marfels arbeitete ab 1936 in seiner Ausbildungsfirma als kaufmännischer Angestellter, ehe er 1938 als Kontorist zu der Niederlassung der Hannoverschen Maschinenfabrik AG (Hanomag) in Berlin-Halensee wechselte.

Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung fand Marfels erst 1946 wieder eine Anstellung als kaufmännischer Angestellter beim Stormarner Kreisverband der CDU in Bad Oldesloe. Zusätzlich arbeitete er abends als Buchhalter in der Eisenwarenhandlung Wilhelm Wetterström.

1949 stieg Marfels als Sekretär bei der Stormarner Redaktion der Hamburger Allgemeinen Zeitung ein. Außerdem betätigte er sich zunächst als freiberuflicher Fotograf und später auch als Journalist für die lokale und überregionale Presse, so beispielsweise für verschiedene Lübecker, Kieler und Hamburger Zeitungen sowie für Zeitschriften und Fachzeitungen. In Stormarn waren es vor allem die Lübecker Nachrichten und kurzzeitig der Oldesloer Landbote. Anfang der 1950er-Jahre gründete er mit seinem Kollegen, dem Journalisten Gerhard Zabel, das Pressebüro Zabel–Marfels. Nach dessen Ausscheiden übernahm er 1958 das Stormarner Büro der Deutschen Presseagentur (dpa) in Bad Oldesloe. Bereits 1957 erfolgte seine Anstellung als fester Mitarbeiter der Stormarn-Redaktion der Lübecker Nachrichten. Diese Tätigkeit übte er bis Ende 1985 aus. Parallel führte er seine freiberufliche Tätigkeit als Fotojournalist bis 1989 fort.

Lebenslauf

Raimund Marfels wuchs in Berlin-Steglitz in einer gutbürgerlichen Familie auf. Der Vater Max betrieb eine Schmuckwarengroßhandlung. Sein Großvater Carl Heinrich Marfels sowie sein Onkel Julius Johannes Marfels waren als Verleger und Redakteure von Fachzeitschriften tätig. Während Marfels‘ beide Brüder ein Ingenieurstudium absolvierten, entschied er sich aufgrund der Krankheit und des frühen Todes seines Vaters für eine kaufmännische Berufsausbildung.

1939 wurde Marfels zum Reichsarbeitsdienst in Mecklenburg verpflichtet und im Herbst nach Beginn des Zweiten Weltkriegs kurzfristig mit einer Baukompagnie in Polen eingesetzt. Im Januar 1940 erfolgte seine Einziehung als Soldat zur Luftwaffe – der 4. Kompagnie, Fallschirmjäger-Regiment 13 – und sein Einsatz in einer Fernaufklärerstaffel in Frankreich, Rumänien, Ungarn, der Sowjetunion und Belgien. Im März 1945 geriet er als Fallschirmjäger in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde.

Marfels ließ sich in Bad Oldesloe nieder, wo bereits der ältere Bruder und die Mutter Quartier gefunden hatten. Am 21.02.1953 heiratete er die Postangestellte und Telefonistin Hilma Ella (Ellen) Hansen, die einen Sohn und eine Tochter mit in die Ehe brachte. 1957 kam die gemeinsame Tochter zur Welt.

Werk/Aktivitäten

Raimund Marfels war als Fotograf und Journalist Autodidakt. Bereits dem Jugendlichen ermöglichte sein Elternhaus um 1930 eine Fotoausrüstung und unterstützte ihn in seiner Weiterbildung als freier Fotograf. Seine frühen Fotografien sind durch Kriegseinwirkungen fast vollständig vernichtet worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg widmete Marfels sich erneut der Fotografie, zunächst mit einer Kleinbildkamera, später dann mit einer RolleiFlex. Schwarzweißfotografien im Format 6 x 6 cm waren sein Markenzeichen, die Filme entwickelte er selbst. Ab März 1949 erschienen in Stormarn seine Abbildungen in den Lübecker Nachrichten, kurz darauf dann die ersten Artikel. Seine Fertigkeiten in Debattenschrift-Stenografie ermöglichten ihm einen Quereinstieg als Journalist.

Für die Lübecker Nachrichten war Marfels bis in die 1970er-Jahre im gesamten Kreis tätig und lieferte auch für Artikel von Journalistenkollegen das Bildmaterial. Mit einsetzender Spartenbildung der Zeitung konzentrierte sich seine Zuständigkeit vor allem auf das mittlere und südliche Stormarn. Seine umfangreichen Kenntnisse der politischen und kommunalen Strukturen des Kreises ermöglichten ihm eine vielseitige Berichterstattung. Schwerpunkte seiner Arbeit waren die Politik und Verwaltung des Kreises und seiner Kommunen, die Entwicklung der Städte und Dörfer, der Ausbau von Verkehrswegen und technischer Infrastruktur. Auch gesellschaftliche Ereignisse, Alltag und Kultur, Natur und Umwelt, Unfälle und Brandkatastrophen hielt er in Wort und Bild fest. Zeitweilig übernahm er bei der Dokumentation von Verbrechen die Funktion eines Polizeifotografen für die Stormarner Polizeibehörden.

Bereits schwerkrank, schloss Marfels 1987 mit dem Kreisarchiv Stormarn eine Vereinbarung zur Übernahme seines fotografischen und journalistischen Nachlasses. Ihm gelang noch eine Zuordnung des Bildmaterials nach kommunalen Gebietskörperschaften, Personen, Verkehrswegen, Polizeiangelegenheiten und Unfällen, die die Grundlage für die spätere archivische Erschließung bildeten. Nach seinem Tod gingen über 47.000 Negative sowie Abzüge und Schriftgut 1990 an das Kreisarchiv.

Bedeutung

Die Fotografien von Raimund Marfels umfassen ein visuelles Kompendium der Stormarner Zeitgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Während 40 Jahren in hoher künstlerischer und technischer Qualität entstanden, spiegeln sie die sprunghafte Entwicklung des Kreises von der Nachkriegszeit bis Ende der 1980er-Jahre in vielfältigen Facetten wider. Zahlreiche historische Ausstellungen, Vorträge und Veranstaltungen sowie Ortschroniken und Fachliteratur sind seit 1990 mit diesen Fotografien angereichert worden.

Ehrungen und Preise

1983 Freiherr-vom-Stein-Gedenkmedaille

Besonderheiten

Marfels' Nachlass wurde 2011–2014 zusammen mit der Lokalausgabe der Lübecker Nachrichten digitalisiert und archivfachlich erschlossen. Das Projekt wurde von der Jürgen-Wessel-Stiftung finanziert. Seit 2015 ist der Bestand über die Website des Kreisarchivs Stormarn, das Archivportal D oder die Deutsche Digitale Bibliothek für Interessierte zu recherchieren. Er ist die am meisten nachgefragte Fotosammlung des Kreisarchivs.

Persönlichkeiten

Carl Heinrich Marfels GND: 12490114X

Links

Kreisarchiv Stormarn: www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/?q=&b_id=&name=marfels& dating_from=&dating-to= (Zugriff am 07.04.2020)

Archivportal D: www.archivportal-d.de/struktur?filterValues=sector_sec_10&filterValues=alphabet_K&filterValues=state_Schleswig-Holstein (Zugriff am 07.04.2020)

Deutsche Digitale Bibliothek: www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/WPXUTYCHCQV5XI6WIOJZOSEDPBJVWVLR (Zugriff am 07.04.2020)

Familienname

Marfels

vollständige Vornamen

Adolf Theodor Raimund

Rufname

Raimund

Geburtsdatum

11.03.1917

Geburtsort

Steglitz (heute Berlin)

Sterbedatum

26.10.1990

Sterbeort

Bad Oldesloe

Begräbnisort

Bad Oldesloe

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

kaufmännischer Angestellter, Journalist, Fotograf

Ehe-/Lebenspartner

Hilma Ella Marfels, geb. Rüdiger, geschiedene Hansen (1922–2014)

Kinder

eine Tochter, eine Stieftochter, ein Stiefsohn

Eltern

Max Marfels (1884–1935), Else Marfels

Literatur

  • Stormarn schwarz-weiß Fotografien des Journalisten Raimund Marfels ; Zeitgeschichte und kommunales Leben 1949 - 1989. Neumünster, Wachholtz 1999, GVK: 305722433
  • Gröwer, Karin: Vom Heben eines Schatzes. Der Bestand des Fotojournalisten Raimund Marfels im Kreisarchiv Stormarn. In: Jahrbuch für den Kreis Stormarn ..., Großhansdorf: ProFunda-Verl, Band 36 (2018), S. 38-55, GVK: 1007288035

Weitere Literatur