Papiermühle Oldesloe

Die Papiermühle zählte – neben der Saline – im 19. Jahrhundert zu den größeren Unternehmen in Oldesloe.

Unternehmensziel und Produkte

Der Betrieb stellte Druckpapiere, Postpapiere mit Wasserzeichen und Schreibpapiere – darunter Velinpapiere – her.

Struktur

Bis 1832 hatte die Papiermühle zwei Eigentümer. 1832–1872 handelte es sich um ein familiengeführtes Unternehmen mit einem Allein-Eigentümer.

Geschichte

1815 ersteigerten der bisherige Schuster und Gastwirt Johann Daniel Sonder sowie der Kaufmann und spätere Gutsbesitzer Hans Friedrich Helms für 18.500 Courantmark vom Lübecker Heiligen-Geist-Hospital eine ausgediente Kupfermühle mit den zugehörigen Ländereien. Sie lag an der Biegung der Beste am Stadtrand von Oldesloe und war mit Privilegien, wie der Zollfreiheit, ausgestattet. Sonder und Helms bauten die Anlage zu einer Papiermühle um. Die Unternehmer profitierten von einem nach den Napoleonischen Kriegen einsetzenden, stark ansteigenden Papierbedarf. 1819 beschäftigte das Unternehmen zwölf Fabrikarbeiter und vier Tagelöhner. Pro Jahr wurden für die Papierherstellung rund 800 Zentner Lumpen im In- und Ausland angekauft.

1832 zahlte Sonder seinen Partner aus und führte das Werk allein weiter. Zehn Jahre später wurde eine Dampfwalze und 1846 eine Papiermaschine – die erste in Norddeutschland – angekauft. Nach dem Tod von Johann Daniel Sonder übernahm 1846 sein zweitältester Sohn, der gelernte Papiermacher Daniel August Sonder, die Leitung. Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hamburg–Lübeck 1865 förderte die Absatzmöglichkeiten des Unternehmens. Es wurde nach dem Tod von Johann Daniel Sonder am 11.12.1869 von dessen Ehefrau Charlotte für kurze Zeit weitergeführt, bevor sie es 1872 an die Anglo-Deutsche Bank verkaufte.

1873–1881 nutzte die Hamburg Oldesloer Papierfabrik – Papier- und Geschäftsbücherfabriken Actiengesellschaft das Gelände. Anschließend wurde das Werk abgerissen.

Leitung

Charlotte Sonder 1869-1872
Daniel August Sonder 1846-1869
Johann Daniel Sonder 1815-1846
Hans Friedrich Helms 1815-1832

Besonderheiten

Die Sonder'sche Papierfabrik arbeitete mit einer geheimen chemischen Chlorbleiche.

Aufgrund der ungesunden Arbeitsbedingungen in dem Werk starben mehrere Mitglieder der Familie Sonder an Tuberkulose.

Durch die Chlorbleichung wurden die Flüsse Beste und Trave mit chemischen Giften teilweise hochgradig belastet.

Persönlichkeiten

Johann Daniel Sonder GND: 1041764111

Name

Papierfabrik

Rechtsform

Sonstiges

Sitz

Oldesloe

Gründungsdatum

1815

Auflösungsdatum

25.06.1872

Branchen

Verarbeitendes Gewerbe

Leitung

Charlotte Sonder

Literatur

  • Zander, Sylvina: Oldesloe die Stadt, die Trave und das Wasser. Neumünster, Wachholtz 2008, GVK: 584413130
  • Krejsa McManus, Susanne: Sonder in Oldesloe eine Papiermüllerfamilie zwischen Courantthalern und Tuberculose. Neumünster, Wachholtz 2010, GVK: 615575013

Weitere Literatur