Landrat

Seit mehr als 150 Jahren ist der Landrat der leitende Verwaltungsbeamte der Kreisverwaltung, der gesetzliche Vertreter und zugleich nach außen neben dem Kreispräsidenten der Repräsentant des Kreises Stormarn.

Aufgaben und Zuständigkeiten

Der Landrat hat die Beschlüsse des Kreistags und der Ausschüsse vorzubereiten und umzusetzen. Er ist für die Organisation sowie den Geschäftsgang der Selbstverwaltung des Kreises zuständig. Außerdem ist er der Dienstvorgesetzte der Beschäftigten der Kreisverwaltung. Er verantwortet sowohl die Durchführung der dem Kreis übertragenen staatlichen Weisungsaufgaben als auch die Aufgaben als untere Landesbehörde.

Struktur

Der Landrat wird vom Kreistag mit absoluter Mehrheit gewählt. Seine Amtszeit beträgt im Kreis Stormarn sechs Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich. Für die Dauer seiner Amtszeit wird der Landrat zum Beamten auf Zeit ernannt.

Seine beiden gleichfalls vom Kreistag gewählten Stellvertreter werden als Erster und Zweiter Kreisrat bezeichnet. Diese vertreten den Landrat in Selbstverwaltungs- und Weisungsangelegenheiten. Bei Aufgaben als untere Landesbehörde vertritt ihn der Fachbereichsleiter des Fachbereichs Inneres.

Geschichte

Seit dem 22.09.1867 wurde in den neu geschaffenen Kreisen das Modell der altpreußischen Kreisverwaltung umgesetzt. Jeder Kreis wurde von einem vom preußischen König ohne Begrenzung der Amtszeit ernannten Landrat geleitet. Dieser führte als Organ der Staatsregierung einerseits die Geschäfte der allgemeinen Landesverwaltung im Kreis und leitete andererseits als Vorsitzender der Kreisversammlung, ab 1889 des Kreistags und des Kreisausschusses, die Kommunalverwaltung des Kreises.

Der preußische Staat setzte 1867 bewusst auf personelle Kontinuität vor Ort, um den Übergang auf die neuen Verwaltungsstrukturen zu erleichtern. Erster Landrat des Kreises Stormarn war seit 09.03.1868 Wilhelm von Levetzau, der ehemalige Amtmann der landesherrlichen Ämter Reinbek, Trittau und Tremsbüttel. Ihm oblagen weiterhin alle Funktionen der früheren schleswig-holsteinischen Oberbeamten mit Ausnahme der Justiz. Er hatte die Beschlüsse der Kreisversammlung auszuführen und umzusetzen. Bei Überschreiten der Befugnisse durch die Kreispolitiker oder bei Beanstandungen seinerseits konnte der Landrat die Entscheidung der übergeordneten Staatsbehörde einholen.

In den Anfangsjahren des Kreises hatte der Landrat fast ausschließlich Ordnungsaufgaben des preußischen Staates wahrzunehmen, wie Kommunalaufsicht, Polizeiverwaltung, Steuererhebung und Schulaufsicht. Später kamen noch die Armenfürsorge und der Seuchenschutz hinzu. Mit dem Ausbau einer modernen Kreisverwaltung insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg erweiterte sich das Aufgabenspektrum des Landrats in den folgenden Jahrzehnten bis heute erheblich.

Mit Einführung der neuen Kreisordnung vom 26.05.1888 erhielt der Kreistag das Vorschlagsrecht für den Landrat, das allerdings im Kreis Stormarn nicht angewandt wurde. Dieser musste seit mindestens einem Jahr im Kreisgebiet wohnen oder Grundbesitz nachweisen. Seine fachlichen Kenntnisse schlossen die Befähigung zum höheren Verwaltungs- und Justizdienst ein. Seine zwei Stellvertreter - die Kreisdeputierten - wählte der Kreistag aus den wahlberechtigten Kreisangehörigen für sechs Jahre.

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte die Absetzung des Landrats Joachim von Bonin; die Errichtung der Weimarer Republik führte zu allgemeinen, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahlen. 1919 wählte der Stormarner Kreistag mit Friedrich Knutzen erstmals den Landrat. Während des Nationalsozialismus' konnte nach Auflösung des Kreistags 1933 der Kreisausschuss den Landrat empfehlen, was für Stormarn nicht nachweisbar ist. Die Amtszeiten der fünf, teilweise kommissarischen Landräte während der NS-Zeit war geprägt von permanenten Auseinandersetzungen mit der NSDAP-Kreisleitung.

Die britische Militärregierung setzte mit der Verordnung Nr. 21 vom 01.04.1946 die Trennung von Verwaltungs- und politischer Leitung um. Nun übte der Landrat, der kurzfristig zunächst Kreistagspräsident hieß, die Funktion des ehrenamtlichen Vorsitzenden des Kreistags aus (später Kreispräsident/in), während die hauptamtliche Verwaltungsleitung (Ober-)Kreisdirektor hieß. Beide wählte der Kreistag. Erst mit der Kreisordnung vom 01.04.1950 bezeichnete Landrat wieder den leitenden Beamten der Kreisverwaltung. Seine Amtszeit sollte mindestens sechs, höchstens zwölf Jahre betragen. Wilhelm Siegel war der einzige Landrat in Stormarn, der nacheinander beide Ämter ausübte.

Mit der Novellierung der Kreisordnung vom 30.05.1997 sollte der Landrat von den Wahlberechtigten des Kreises für sechs Jahre gewählt werden. Stormarn wählte als erster Kreis in Schleswig-Holstein im März 1998 einen neuen Landrat, Klaus Plöger. Wegen allgemein zu geringer Wahlbeteiligung wurde die Direktwahl 2009 jedoch in Schleswig-Holstein wieder abgeschafft. Seitdem wird der Landrat wieder vom Kreistag gewählt.

Leitung

Henning Görtz seit 4/2016
Klaus Plöger 4/1998 - 4/2016
Hans Jürgen Wildberg 3/1990 - 4/1998
Hans-Henning Becker-Birck 8/1975 - 12/1989
Wennemar Haarmann 8/1957 - 8/1975
Klaus von der Groeben 4/1956 - 8/1957
Wilhelm Siegel 11/1946 - 3/1956
Heinrich Eckholdt 2/1946 - 10/1946
Wilhelm Paasche 5/1945 - 2/1946
Rolf Carls 6/1943 - 4/1945
Karl von Lamprecht 8/1942 - 5/1943
Rolf Breusing 10/1940 - 8/1942
Erich Keßler 3/1937 - 6/1940
Constantin Bock von Wülfingen 4/1933 - 12/1936
Friedrich Knutzen 8/1919 - 3/1933
Joachim von Bonin 7/1894 - 11/1918
Detlev von Bülow 5/1887 - 7/1894
Karl von Hollen 7/1880 - 5/1887
Wilhelm von Levetzau 3/1868 - 6/1880

Persönlichkeiten

Wilhelm von Levetzau GND: 1166423948
Joachim von Bonin GND: 120647877
Friedrich Knutzen GND: 116262710
Wilhelm Siegel GND: 1119642035
Klaus Plöger

Name

Kreis Stormarn. Der Landrat

Gründungsdatum

22.09.1867

Leitung

Landrat Dr. Henning Görtz

Wilhelm von Levetzau (Noch nicht erarbeitet), Carl von Hollen (Noch nicht erarbeitet), Detlev von Bülow (Noch nicht erarbeitet), Joachim von Bonin (Noch nicht erarbeitet), Friedrich Knutzen (Noch nicht erarbeitet), Constantin Bock von Wülfingen (Noch nicht erarbeitet), Erich Keßler (Noch nicht erarbeitet), Rolf Breusing (Noch nicht erarbeitet), Karl von Lamprecht (Noch nicht erarbeitet), Rolf Carls (Noch nicht erarbeitet), Wilhelm Paasche (Noch nicht erarbeitet), Heinrich Eckholdt (Noch nicht erarbeitet), Wilhelm Siegel, Klaus von der Groeben (Noch nicht erarbeitet), Wennemar Haarmann, Hans-Henning Becker-Birck (Noch nicht erarbeitet), Hans Jürgen Wildberg (Noch nicht erarbeitet), Klaus Plöger (Noch nicht erarbeitet), Henning Görtz (Noch nicht erarbeitet)

Literatur

  • Günther, Barbara [Hrsg.]: Stormarn Lexikon. Neumünster, Wachholtz 2003, GVK: 365197653
  • Fischer, Norbert: Die modellierte Region Stormarn und das Hamburger Umland vom Zweiten Weltkrieg bis 1980. Neumünster, Wachholtz 2000, GVK: 320758400
  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. Bad Oldesloe, 2018, GVK: 1040337368
  • Galette, Alfons: 125 Jahre Kreise in Schleswig-Holstein. Neumünster, Wachholtz 1992, GVK: 101790765X
  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373