Johann Anton Wilhelm (von) Carstenn-Lichterfelde

Der Kaufmann und Unternehmer Johann Anton Wilhelm Carstenn-Lichterfelde ließ das Gelände des Adligen Gutes Wandsbek ab 1857 teilweise in eine Villenkolonie umgestalten.

Lebenslauf

Wilhelm Carstenn-Lichterfelde wurde auf dem Meierhof Neverstaven des Adligen Guts Tralau als zweiter Sohn eines Gutsverwalters geboren. Nach Jahren in Wandsbek und einem kurzen Aufenthalt 1864 auf dem Keppschloss in Hosterwitz (heute Dresden) zog er 1865 als vermögender Mann in das Gutshaus Lichterfelde (heute Berlin). 1848 heiratete er Emilie Freyday, nach deren frühem Tod ging er 1871 eine zweite Ehe mit Molly von Buchwaldt ein.

Nach der Börsenkrise von 1873 geriet er in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste seinen Grundbesitz zum Teil verkaufen. Carstenn-Lichterfelde starb in der Nervenheilanstalt Maison de Santé in Schöneberg (heute Berlin).

Amalienstraße in Marienthal (heute Jüthornkamp), 1908

Werk/Aktivitäten

Von seinem Vater übernahm Wilhelm Carstenn-Lichterfelde zunächst die Bewirtschaftung des Gutes Tralau. 1854 sammelte er in England Erfahrungen mit der Erschließung von Baugrund. Im Folgejahr kaufte er den Meierhof Neverstaven, den er bereits 1856 wieder abgab.

Gemeinsam mit Johann Dittmer Koopmann, dem Besitzer des Adligen Gutes Tralau, erwarb Carstenn-Lichterfelde am 27.01.1857 von Ernst von Schimmelmann den gräflichen Anteil des Adligen Gutes Wandsbek.

Nach Koopmanns Rückzug konnte Carstenn-Lichterfelde über die ca. 411 ha große Fläche mit Feldern, dem Schlosspark, Gutsgebäuden und dem als Wandsbeker Schloss bekannten Herrenhaus verfügen. Einen Teil des Geländes ließ er erschließen und parzellieren, um die Grundstücke für die Errichtung einer hamburgnahen Villenkolonie zu verkaufen. Das Schloss wurde dabei abgerissen, das zugehörige Wandsbeker Gehölz veräußerte Carstenn-Lichterfelde an den Flecken Wandsbek. Am 21.05.1861 genehmigte Friedrich VII. von Dänemark den Namen Marienthal für das Gebiet. Auch das Areal des 1863 erworbenen, nördlich gelegenen Landsitzes Wendemuth erschloss Carstenn-Lichterfelde als Bauland.

Der Verlauf der 1865 in Betrieb genommenen Bahnstrecke Hamburg-Lübeck geht auf Carstenn-Lichterfeldes Intervention beim dänischen König zurück. Er wandte sich gegen die geplante nördliche Linienführung am gewerblich genutzten Wandsetal und setzte sich für die südliche Trasse durch das Gehölz samt Bahnhof in Marienthal ein, wodurch er den Villenbesitzern eine gute Anbindung garantierte.

Ab 1865 investierte Carstenn-Lichterfelde seine Gewinne in den Kauf der Güter Lichterfelde, Giesensdorf und Wilmersdorf bei Berlin, um für die expandierende Stadt Villenkolonien und Wohnquartiere anzulegen.

Bedeutung

Wilhelm Carstenn-Lichterfelde legte mit Marienthal eine frühe stadtnahe Villenkolonie nach englischem Vorbild an. Auch das südliche Berliner Umland wurde durch seine Siedlungsbauprojekte geprägt, u. a. durch die als Carstenn-Figur bekannte, regelmäßige Straßen- und Platzstruktur.

Ehrungen und Preise

1873 Erhebung in den preußischen Adelsstand

1874 Recht zum Führen des Beinamens Lichterfelde

1969 Ehrengrab auf dem Kirchhof der Paulusgemeinde Berlin-Lichterfelde.

In Berlin waren bzw. sind eine Grundschule sowie zwei Straßen nach ihm benannt.

In Marienthal hieß ein Teil der heutigen Rodigallee zeitweise Carstennstraße.

Besonderheiten

Das Gutshaus in Berlin-Lichterfelde wird heute Carstenn-Schlösschen genannt.

Persönlichkeiten

Johann Dittmer Koopmann
Ernst von Schimmelmann
Friedrich VII. von Dänemark GND: 119217147

Familienname

Carstenn

alternative Schreibweisen Familienname

seit 1873/74: von Carstenn-Lichterfelde

vollständige Vornamen

Johann Anton Wilhelm

Rufname

Wilhelm

Geburtsdatum

12.12.1822

Geburtsort

Neverstaven

Sterbedatum

19.12.1896

Sterbeort

Schöneberg (heute Berlin)

Begräbnisort

Lichterfelde (heute Berlin)

Geschlecht

männlich

Religion

Evangelisch-lutherisch

Berufe

Kaufmann, Unternehmer, Gutsbesitzer

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Emilie Carstenn, geb. Freyday (1819-1865), 2. Ehe: Molly Sophie Charlotte Carstenn, geb. von Buchwaldt (1843-1923)

Kinder

1. Ehe: eine Tochter und ein Sohn; 2. Ehe: vier Töchter und zwei Söhne

Eltern

Johann Wilhelm Carstenn (+1855), Margarete (?) Magdalena Carstenn, geb. Tieden

Strukturansicht

Literatur von der Person

  • Carstenn, Johann Anton Wilhelm von: Die Verlegung der Central-Kadetten-Anstalt nach Gross-Lichterfelde in Folge der Schenkung des Herrn von Carstenn-Lichterfelde Geschichte der hierauf bezügl. Streitigkeiten m. d. Bauverwaltung des ... Kriegsministeriums ; Nebst d. Stenogr. Bericht über d. v. ... Kriegsministerium gegen Hrn. v. Carstenn-Lichterfelde ungestrengten Beleidigungsprozess ; (Als Mscr. gedr.). (Berlin, Dr. v. O. Drewitz) 1890, GVK: 456454349

Literatur

  • Puvogel, Friedrich 1836-1907: Der Wandsbecker Stadtbezirk Marienthal geschichtliche Aufzeichnungen über die Entstehung und Entwicklung desselben und die damit im Zusammenhange stehenden Vorgänge im öffentlichen Leben Wandsbecks. Wandsbeck, "Wandsbecker Bote" 1894, GVK: 770491812
  • Pappenheim, Hans: Carstenn-Lichterfelde, Johann Wilhelm Anton/von geb. 12.12.1822 Tralau, Ortsteil Neverstaden bei Oldesloe (Krs. Stormarn)-gest. 20.12.1896 Berlin-Schöneberg ; Terrain-Unternehmer, Gründer der Villenkolonien in Wandsbek b. Hamburg und Lichterfelde und Wilmersdorf b. Berlin. 1970, In: Schleswig-holsteinisches biographisches Lexikon ; Bd. 1, Neumünster: Wachholtz, 1970, (1970), Seite 98-101, GVK: 656662840
  • Schreyer, Alf: Johann Wilhelm Anton Carstenn, Grundstückspekulant oder vorbildlicher Stadtplaner?. 1983, In: Der Wandsbeker, Hamburg: Heuser, 1952, (1983), 1, Seite 5-6, GVK: 511829167
  • Schreyer, Alf: Johann Wilhelm Anton Carstenn, Grundstückspekulant oder vorbildlicher Stadtplaner?. 1982, In: Der Wandsbeker, Hamburg: Heuser, 1952, (1982), GVK: 355792184

Weitere Literatur