Hoisdorf

Die Gemeinde Hoisdorf besteht aus den Ortsteilen Hoisdorf und Oetjendorf. Sie entwickelte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts von einem ländlich-agrarischen Ort zu einer rasch wachsenden großstadtnahen Wohngemeinde im Grünen.

Lage

Hoisdorf liegt im südlichen Teil des Kreises Stormarn. Im Norden grenzt Todendorf, im Osten Lütjensee, im Süden Großensee, im Südwesten Siek und im Westen Großhansdorf, von dem es durch die Bundesautobahn A 1 getrennt ist, an die Gemeinde.

Ortsgliederung

In Folge raschen Siedlungsbaues im Verlauf des 20. Jahrhunderts zerfiel Hoisdorf in mehrere Siedlungsteile, die teils weiträumig um den historischen Ortskern mit seinem Anger liegen: Baggerkuhle, Schierenplack, Schwarzenbrook, Achtern Diek. Nördlich des Ortskerns und westlich der Siedlung Achtern Diek liegt das Naturschutzgebiet Hoisdorfer Teiche. Im Zuge der schleswig-holsteinischen Kommunalreform kam das benachbarte Oetjendorf zur nunmehrigen Einheitsgemeinde Hoisdorf.

Geschichte

Urkundlich erstmals als „Hogerstorpe“ 1279 erwähnte, war Hoisdorf wahrscheinlich als Rodungsdorf Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet worden und wurde 1339 an das Domkapitel Hamburg verkauft. Nach dem Ende der geistlichen Herrschaft 1576 folgte Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf, der Hoisdorf dem landesherrlichen Amt Trittau zuwies. Zur ortsgeschichtlichen Zäsur wurde die 1771 begonnene Verkoppelung. 1857 erhielt Hoisdorf eine Schule. 1867 wurde Hoisdorf Landgemeinde in der Kirchspielvogtei Trittau, 1889 kam es zum Amtsbezirk Lütjensee.

Um 1900 entstanden vereinzelt Landhaus- und Villenbauten durch begüterte Hamburger (Landhaus Bandlie 1896/97, Villa Waldfrieden 1914).

Die Bevölkerungszahl stieg im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts stetig an. Der landschaftlich schön gelegene Ort mit den Hoisdorfer Teichen wurde nach Anschluss an die Südstormarsche Kreisbahn zum Ziel großstädtischer Ausflügler. Hamburger Reformpädagogen errichteten 1922 das Schullandheim Hoisdorf, eine Jugendherberge und Ausflugslokale entstanden. Nach Beginn der NS-Diktatur mussten jüdische Einwohner Hoisdorf verlassen und ihr Eigentum aufgeben, wie Hugo Hartig, Besitzer der Villa Waldfrieden. Der Zweite Weltkrieg brachte die Zuwanderung Hamburger Bombenflüchtlinge (Buten-Hamborger).

Nach Kriegsende kam es zum Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen. 1948 kam Hoisdorf zum Amt Lütjensee, 1972 zum Amt Siek. 1964 erfolgte ein Schulneubau. Zur bedeutsamen kommunalpolitischen Wendemarke wurde die am 01.05.1978 vollzogene Vereinigung mit dem benachbarten Oetjendorf.

Betriebsbesichtung bei der Firma Bruss, 1974

Wirtschaft

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung war die Ansiedlung des von Großhansdorf verlegten Automobilzulieferers Dichtungstechnik G. Bruss KG in Hoisdorf im Jahr 1965. Die Firmengruppe operiert inzwischen unter dem Namen Bruss Sealing Systems GmbH an mehreren internationalen Standorten. Stammsitz ist nach wie vor Hoisdorf.

Infrastruktur

Hoisdorf liegt an der Bundesautobahn 1, die nächstgelegene Anschlussstelle ist Ahrensburg.

An der 1907 eröffneten, inzwischen stillgelegten Südstormarnschen Kreisbahn erhielt es einen Bahnhof. Wenig später kam die Endstation der Walddörferbahn (heute U-Bahnlinie 1) im nahen Großhansdorf dem Ort zugute (1921). Hoisdorf ist über Buslinien mit diesem Bahnhof und anderen Zielen im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) verknüpft.

Kultur, Bildung und Sport

Die Gemeinde Hoisdorf unterhält eine Grundschule.

Das Theater Hoisdorf und das Junge Theater sind dem TuS Hoisdorf angegliedert und führen jährlich Stücke auf.

Der Kirchenkreis Stormarn wandelte die frühere Villa Waldfrieden in das evangelische Veranstaltungszentrum Haus Lichtensee um. Heute beherbergt es ein Jugendzentrum und eine Seniorenresidenz.

Der TuS Hoisdorf zählte in den 1990er-Jahren zu den bekannten schleswig-holsteinischen Fußballvereinen, spielte in der Regionalliga Nord und feierte Erfolge im DFB-Pokal.

Sehenswürdigkeiten

Das 1987 eingerichtete, rund 30 Hektar umfassende Naturschutzgebiet Hoisdorfer Teiche zählen zu den jüngeren Naturschutzgebieten in Stormarn und liegt inmitten des Ortes.

Das 1978 in einem historischen Bauernhaus eingerichtete Stormarnsches Dorfmuseum zeigt Objekte agrarisch-handwerklicher Lebenswelten und dörflicher Institutionen. Es bietet auch Einblicke in die Vor- und Frühgeschichte der Region.

Persönlichkeiten

Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 118812319
Johann Petersen
Hugo Hartig
Günther Bruss

Heraldische Wappenbeschreibung (Blasonierung)

In Gold auf grünem Boden ein golden bewurzelter grüner Lindenbaum, begleitet rechts von dem schwarzen hinteren Teil eines Pfluges mit Pflugeisen und Schar, links von einem schwarzen achtspeichigen Maschinenrad mit sechzehn Zähnen.

Wappenerläuterung

Das am 28.10.1975 genehmigte Wappen zeigt eine Linde, an deren Fuß sich ein Pflug und ein Zahnrad befinden. Die Linde repräsentiert den Thie-Baum als historischen Versammlungsort des Dorfes. Der Pflug symbolisiert die ländlich-agrarische Vergangenheit, das Zahnrad die Bedeutung von Gewerbe und Industrie als Arbeitsstätten für die ortsansässige Bevölkerung.

Flaggenblasonierung

Inmitten eines gelben, oben und unten von einem schmalen grünen Streifen begrenzten Flaggentuches ein bewurzelter grüner Lindenbaum, begleitet rechts von dem schwarzen hinteren Teil eines Pfluges mit Pflugeisen und Schar, links von einem achtspeichigen, schwarzen Maschinenrad mit 16 Zähnen.

Flaggenerläuterung

Die am 26.03.1979 genehmigte Flagge zeigt versetzt zur Stange das Ortswappen. Die Linde repräsentiert den Thie-Baum als historischen Versammlungsort des Dorfes. Der Pflug symbolisiert die ländlich-agrarische Vergangenheit, das Zahnrad die Bedeutung von Gewerbe und Industrie als Arbeitsstätten für die ortsansässige Bevölkerung.

14 400
Hoisdorf location_city 53.6535290000 10.3281400000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Stormarn

Postleitzahl

22955

Vorwahl

04107

Gemeindekennschlüssel

01 0 62 035

Verwaltungssitz

Hauptstraße 49 22962 Siek

GPS-Standort

53° 39' 12'' N, 10° 19' 41'' O

Fläche

16.04 km2

Höhe

58 m

Ersterwähnung / Gründung

1279

Politischer Repräsentant

Bürgermeister Dieter Schippmann

Verwaltungsleitung

Amtsvorsteher Amt Siek Olaf Beber

Literatur

  • Fischer, Norbert und Klaus Gille: Hoisdorf und Oetjendorf Stormarner Dorfgeschichte im Hamburger Umland. Neumünster, Wachholtz 2001, GVK: 331387727

Weitere Literatur