Herrenhaus Blumendorf

Das Herrenhaus ist Mittelpunkt der großen Hofanlage des Gutes Blumendorf.

Eingangsfassade, 2010

Außenarchitektur

Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiger Bau auf hohem Keller. Die hell verputzte Backsteinfassade wird durch flache Wandpfeiler gegliedert. Auf dem ziegelgedeckten Mansarddach finden sich Gauben mit Dreiecksgiebeln.

Die Hoffassade besitzt einen breiten Mittelrisalit. Eine Freitreppe führt zum Haupteingang, der von einem großen Halbrundfenster überfangen wird. Seitlich rahmen leicht vorgezogene Risalite das vorspringende Erdgeschoss mit seinen Dachterrassen.

Die nach Süden gerichtete Gartenfassade besitzt einen dreigeschossigen, leicht vorgezogenen und mit einem Dreiecksgiebel abgeschlossenen Mittelrisalit. Ihm ist ein Altan mit halbrunder Terrasse und Freitreppe vorgebaut.

An der westlichen Schmalseite tritt halbrund ein Treppenturm von 1906 hervor.

gemalte Kuppeldecke im Vestibül, 1996

Innenarchitektur

Die Räume werden im Erd- wie im Obergeschoss durch Mittelflure erschlossen. Auf der Ostseite liegt der zweigeschossige, acht Meter hohe Festsaal mit seinen an den Schmalseiten angebrachten drei Musiker-Emporen im Norden sowie Scheinemporen im Süden. Die Wände sind gegliedert durch Vertäfelungen im Sockelbereich sowie darüberliegende flache kannelierte Pilaster. In den Wandfeldern sowie an der ovalen Saaldecke finden sich Rokokostuckaturen mit Muschelwerk, Palmenwedeln sowie Musikinstrumenten und Kriegsgerät, in der Deckenvoute sind das Monogramm des ehemaligen Besitzers Nikolaus Luckner sowie zwei Wappenschilde mit Kanonenkugeln ausgearbeitet. An der inneren Längsseite steht ein offener Marmorkamin mit einem Spiegel darüber.

Der anschließende sogenannte Rote Saal wurde um 1840 neu gestaltet. Der folgende Gartensaal besitzt eine 1906 angebrachte Holzdecke in Renaissanceformen.

Die Eingangshalle wurde um 1830 wohl durch den Hamburger Architekten Franz Gustav Forsmann in klassizistischen Formen erneuert. Sie ist durch Pilaster gegliedert und besitzt eine Figurennische sowie eine vorgetäuschte Kassettenkuppeldecke.

Postkarte, 1915

Geschichte

Von dem Vorgängerbau des Herrenhauses haben sich keine Spuren erhalten. 1735 erwarb Jakob Levin von Plessen das Adlige Gut Blumendorf und ließ ein neues Herrenhaus errichten. Aufgrund erhaltener Zeichnungen sowie von Stilvergleichen wird als Planverfasser der bereits 1743 verstorbene Eutiner Hofbaumeister Rudolph Matthias Dallin vermutet, die Umsetzung erfolgte wohl unter seinem Nachfolger Johann Christian Löwen genannt Lewon. Luckner kaufte das Gut 1761 und ließ den Festsaal vollenden.

Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb 1827 der Hamburger Kaufmann und Senator Martin Johan Jenisch Gut und Herrenhaus, 1834 auch das benachbarte Adlige Gut Fresenburg.

Nach einem Großbrand erhielt das Herrenhaus 1906 seine neobarocken Formen an den Fassaden und im Inneren sowie die neue zweiläufige Haupttreppe.

1945 beschlagnahmte die britische Besatzungsmacht das Herrenhaus, wo nun bis 1959 eine Abteilung des Kreiskrankenhauses untergebracht und dafür beide Wohngeschosse umgestaltet wurden. Danach beherbergte es ein Internat. Nach längerem Leerstand nutzte 1972-1998 ein Händler für Stilmöbel und Antiquitäten das Haus. 1982/83 fand eine Renovierung von Dach und Mauerwerk statt, die Fassaden erhielten einen neuen Anstrich. 1987 wurde der Festsaal restauriert. Das 1906 erneuerte, von 1840 stammende achteckige Türmchen mit offener Laterne und kupferner Haube auf der Dachmitte wurde 2006 abgebaut und an der Zufahrt aufgestellt.

Bedeutung

Mit seinem großen Mansarddach und den Kolossalpilastern sowie der Lage auf einer grünen Achse gegenüber dem Lübecker Torhaus erscheint das Herrenhaus auf den ersten Blick als ein typisch barockes Bauwerk, zeigt aber tatsächlich eine Verschmelzung verschiedener Baustile.

Durch seine erhöhte Lage über dem Hang zur Niederung der Beste beherrscht es noch heute die ca. 1909 durch Rudolph Jürgens zum Landschaftspark gestaltete Umgebung.

Festsaal mit Musikerempore und Stukkaturen, 1996

Nutzung

Das Herrenhaus wird von der Besitzerfamilie von Jenisch als Wohnstätte genutzt.

Seit 2004 findet im Herrenhaus viermal im Jahr die Konzertreihe „Blumendorfer Begegnungen“ in Kooperation mit den Musikhochschulen in Lübeck und Hamburg sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn statt.

Klassizistisches Fenster, 1985

Erhaltungszustand

Das Herrenhaus befindet sich in einem guten Zustand.

Besonderheiten

Kopien der Bauzeichnungen des Herrenhauses vermutlich von Johann Christian Lewon und von Jacob Erhard Randahl von 1743 haben sich im Schwedischen Nationalmuseum erhalten, ein Panorama der Hofanlage mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und Garten von ca. 1760 von C. J. Albutius in Privatbesitz in Schleswig-Holstein.

Persönlichkeiten

Jakob Levin von Plessen GND: 1026901758
Nikolaus Luckner GND: 118780689
Johann Christian Löwen, gen. Lewon GND: 1144745497
Jacob Erhard Randahl
Martin Johan Jenisch GND: 12277275X
Franz Gustav Forsmann GND: 130580821

Datierung Schutzstellung

15.02.1988

Begründung Schutzstellung

Das Herrenhaus ist zusammen mit weiteren Wirtschaftsgebäuden der Hofanlage aus geschichtlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Gründen erhaltenswert. Der stuckierte Festsaal steht bereits seit 1967 unter Denkmalschutz.

14 400
Herrenhaus Blumendorf business 53.7939260000 10.3238290000

Ort

Blumendorf 13

23843 Bad Oldesloe

GPS-Standort

53° 47' 38'' N, 10° 19' 25'' O

Auftraggeber

Jakob Levin von Plessen

Errichtungsdatum

Nach 1735 – ca. 1761

Strukturansicht

Literatur

  • Lafrenz, Deert: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg, Imhof 2015, GVK: 776670891
  • Heckmann, Hermann: Baumeister des Barock und Rokoko in Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Lübeck, Hamburg. Berlin, Verl. Bauwesen 2000, GVK: 306927462
  • Behrens, Sabine: Das Gut Blumendorf. In: Denkmalpflege im Kreis Stormarn, Neumünster: Wachholtz, (1989), S. 91-113, GVK: 1004509138
  • Neuschäffer, Hubertus: Schlösser und Herrenhäuser in Südholstein e. Handbuch. Würzburg, Weidlich , GVK: 040136426
  • Hennigs, Burkhard von: Blumendorf. Heide, Boyens 1998, In: Buttlar, Adrian von (Hg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein, GVK: 251767574

Weitere Literatur