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Heinrich Rantzau

Der Humanist Heinrich Rantzau war im 16. Jh. Statthalter des dänischen Königs in den Herzogtümern Schleswig und Holstein sowie in Stormarn Besitzer der Adligen Güter Nütschau und Wandsbek.

Ausbildung

Heinrich Rantzau erhielt eine umfassende humanistische Bildung. Ab 1538 studierte er an der Universität Wittenberg u. a. bei Philipp Melanchton Rechtswissenschaft, Sprachen und Rhetorik.

1548 ging er mit Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf an den Hof von Karl V. von Habsburg und erwarb durch dessen Begleitung u. a. nach Augsburg, in die Niederlande, nach Innsbruck, Metz und Brüssel staatsmännische Kenntnisse.

Lebenslauf

Heinrich Rantzau war das älteste von vier Kindern des Feldherrn und königlichen Statthalters in den Herzogtümern Johann Rantzau. Seine Familie gehörte zum schleswig-holsteinischen Uradel.

Portalstein des Erbauers Heinrich Rantzau mit der Jahreszahl 1577 am Herrenhaus Nütschau, 1970

Werk/Aktivitäten

Heinrich Rantzau war königlicher Beamter, Diplomat, Berichterstatter, Autor, Gutsbesitzer, Kreditgeber, Bauherr sowie Auftraggeber von Kunst und Kultur.

1554 ernannte Christian III. von Dänemark Rantzau zum königlichen Rat. 1555 wurde er Amtmann von Segeberg, 1556 Statthalter Christians III. im königlichen Anteil in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Rantzau fungierte als dessen Berater in außenpolitischen Angelegenheiten, übermittelte ca. 1.000 schriftliche Nachrichten über europaweite politische Ereignisse. Er trat als Diplomat und Unterhändler z. B. bei Verhandlungen zum Frieden von Stettin 1570 sowie zur Huldigung Friedrichs II. von Dänemark durch die Stadt Hamburg 1588 auf. Mitte der 1560er-Jahre übergab ihm dieser auch die Verantwortung für den im Zuge der Landesteilung 1544 entstandenen gemeinschaftlich regierten Anteil in den Herzogtümern.

Nachdem Rantzau 1572 erfolglos versucht hatte, seinen Sohn als Abt des Klosters Reinfeld einsetzen zu lassen, war er 1582 Mitglied der Kommission zur Säkularisierung des Klosters.

1590 entwarf er einen humanistisch geprägten Friedensplan für Europa auf Basis von Gewissens- und Religionsfreiheit, der nicht zur Umsetzung kam.

Nach dem Tod Friedrichs II. entspann sich ein Konflikt mit dessen Witwe um Rantzaus Einkünfte als Amtmann sowie seinen Widerstand gegen eine weitere Teilung der Herzogtümer. Nach der Krönung Christians IV. von Dänemark wurde Rantzau nach anhaltenden Diskrepanzen im Januar 1598 aller Ämter enthoben.

Seine Besitzungen baute Rantzau stets gezielt aus. Zu den ererbten Gütern sowie denen der Mitgift seiner Ehefrau erwarb er mindestens 14 weitere, darunter Nütschau und Wandsbek. Bei den Herrenhäusern veranlasste er oftmals Um- und Neubauten und ließ dabei z. T. auch Renaissance-Elemente einfließen. Er erweiterte die Gutswirtschaften, besaß knapp 40 Mühlen und förderte die Ansiedlung früher Industriebetriebe mit Ziegeleien und Webereien wie in Wandsbek. Durch effizientere Bewirtschaftung, Flächenvergrößerung sowie steigende Agrarpreise erzielte er hohe Gewinne. Er handelte mit Gips des Segeberger Kalkbergs und legte die erste Baumschule in Schleswig-Holstein an.

Rantzau war auch im Kreditgeschäft tätig, z. B. für das dänische Königshaus, die Domkapitel in Hamburg und Lübeck sowie für Städte wie Danzig.

Er förderte zwei Bände des Städtebuchs „Civitatis Orbis Terrarum“ von Georg Braun und Franz Hogenberg, wobei er dafür sorgte, dass 17 Orte der Herzogtümer aufgenommen und auf der Ansicht von Hamburg auch sein Herrenhaus in Wandsbek abgebildet wurden. Die Mitte der 1580er-Jahre für ihn als Stammbaum erstellte Rantzau-Tafel zeigt ca. 50 der 70 Herrenhäuser und Burgen der Familie. Rantzau war Auftraggeber von Lobschriften, Grafiken sowie mehreren Denkmälern zu Ehren der dänischen Könige. Zunächst unter Pseudonymen veröffentlichte er in lateinischer Sprache über 20 literarische Werke z. B. zur Biografie seines Vaters, der Eroberung Dithmarschens, zu Gesundheit, Astronomie und Astrologie. Erst im 18. Jh. erschien seine Landeskunde „Neue Beschreibung der cimbrischen Halbinsel“. Im Abschnitt zu Stormarn stellte er das Wappen sowie 23 Orte des damaligen Gebiets vor, u. a. Itzehoe, Pinneberg und die Stadt Hamburg. Er erwähnte Gut Tralau sowie die Burg Trittau, berichtete vom Umbau des Klosters Reinbek zum Schloss Reinbek, von seinen Neubauten der Herrenhäuser Nütschau und Wandsbek, dem von Peter Rantzau errichteten Herrenhaus Ahrensburg sowie der Schlosskirche Ahrensburg. Rantzau stand mit diversen bekannten internationalen Gelehrten und Adligen in regelmäßigem Briefwechsel. Auf der Breitenburg baute er mit wohl ca. 6.300 Titeln die erste bedeutende, nichtkirchliche Büchersammlung in den Herzogtümern auf.

Abbildung der Burg Arnesvelde auf der Rantzau-Tafel um 1585, ca. 1970

Bedeutung

Heinrich Rantzau hatte unter drei Königen als Statthalter in den Herzogtümern das höchste dem Adel mögliche Amt inne. Da er zugleich die Interessen der Ritterschaft vor den Landesherren vertreten musste, befand er sich in einer schwierigen Doppelstellung. Zusätzlichen Einfluss gewann er als Kreditgeber des Königs.

An Rantzau wird der Übergang vom Kriegs- bzw. Schwertadel zum Dienst- bzw. Beamtenadel sichtbar, für den umfassende Bildung, juristische sowie diplomatische Kenntnisse zentral waren. Als Humanist erwies er sich in Zeiten der Reformation als Vermittler, unter dem eine Friedensperiode begann.

Als Auftraggeber literarischer Werke, Bildnisse und Denkmäler setzte er – wie sonst nur die Landesherren - bewusst Medien ein, um sein öffentliches Ansehen zu steigern und sein Andenken für die Nachwelt zu erhalten. Neben Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf war er zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Bauherren im norddeutschen Raum.

Aufgrund seines Einflusses sowie seiner Familie bezeichnete die Geschichtsschreibung das 16. Jh. lange als Rantzauisches Zeitalter.

Ehrungen und Preise

1580 Elefantenorden, 1593 erneuert

Rantzaustraße, Bad Segeberg sowie Hamburg-Marienthal (1950)

Heinrich-Rantzau-Schule, Bad Segeberg

seit 1974 Heinrich-Rantzau-Medaille der Stadt Bad Segeberg

Rantzau-Büste im Puvogelgarten Hamburg-Wandsbek

Besonderheiten

Der Rantzaustein von 1573 ist der älteste Grenzstein Hamburgs. Er steht an der Mühlenstraßenbrücke nahe der heutigen Stadtteilgrenze von Wandsbek zu Eilbek.

Persönlichkeiten

Johann Rantzau GND: 138402361
Philipp Melanchton GND: 118580485
Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorp GND: 118812319
Karl V. von Habsburg GND: 118560093
Christian III. von Dänemark GND: 119217120
Friedrich II. von Dänemark GND: 118703188
Christian IV. von Dänemark GND: 118676059
Georg Braun GND: 119314630
Franz Hogenberg GND: 118706217
Peter Rantzau GND: 1069510416

Links

Internetseite der Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau: https://heinrich-rantzau.de/index.php (Zugriff am 30.01.2026)

Ausstellung im Bad Segeberger Bürgerhaus Museum anlässlich Rantzaus 500. Geburtstag: https://museum-badsegeberg.de/auf-den-spuren-heinrich-rantzaus/ (Zugriff am 30.01.2026)

Wikipedia-Seite zum von Rantzau angelegten Mühlenteich in Hamburg-Wandsbek samt historischem Grenzstein: https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BChlenteichpark_(Hamburg-Wandsbek)# (Zugriff am 15.03.2026)

Familienname

Rantzau

alternative Schreibweisen Familienname

Rantzow
Ranzovius

vollständige Vornamen

Heinrich (Hinricus, Hinrich)

Geburtsdatum

11.03.1526

Geburtsort

Steinburg

Sterbedatum

31.12.1598

Sterbeort

Breitenburg (Kreis Steinburg)

Begräbnisort

St. Laurentius-Kirche Itzehoe

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Funktionen, Rang

Amtmann von Segeberg 1555-1598; königlicher Statthalter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein 1556-1598

Ehe-/Lebenspartner

Christine Rantzau, geb. von Halle (1533-1603)

Kinder

Sieben Söhne, fünf Töchter

Eltern

Johann Rantzau (1492-1565); Anna Rantzau, geb. Walstorp (gest. 1582)

Literatur von der Person

  • Rantzau, Heinrich : Neue Beschreibung der Kimbrischen Halbinsel und ihrer Landesteile, Städte, Inseln und Flüsse, dazu der Kimbern, ihrer Herkunft und ihres Namens, ihrer Tapferkeit und Treue sowie ihrer Taten. 1999, In: Heinrich Rantzau (1526 - 1598), Schleswig: Landesarchiv Schleswig-Holstein, 1999, (1999), 2, GVK: 266610781

Literatur

  • Dreessen, Detlef : Heinrich Rantzau Humanist, Universalgelehrter, Staatsmann, Visionär. Bad Segeberg, Verlag Detlef Dreessen , GVK: 1799070646
  • Lohmeier, Dieter : Heinrich Rantzau Humanismus und Renaissance in Schleswig-Holstein. Heide, Westholsteinische Verl.-Anst. Boyens 2000, GVK: 308378490
  • Steinmetz, Wiebke : Heinrich Rantzau (1526 - 1598) ein Vertreter des Humanismus in Nordeuropa und seine Wirkungen als Förderer der Künste. Frankfurt am Main [u.a.], Lang 1991, GVK: 037347381
  • Auge, Oliver : Heinrich Rantzaus "Neue Beschreibung der Kimbrischen Halbinsel" von 1597 und ihre Aussagen zu Kultur, Mentalität und Raumverständnis der Region Stormarn. 2017, In: Nutzung gestaltet Raum, Frankfurt am Main: Peter Lang Edition, 2017, (2017), Seite 109-122, GVK: 1000933768
  • Eickhoff, Paul : Geschichte Wandsbecks unter Heinrich und Breido Rantzau 1564 bis 1614. Wandsbeck, Puvogel 1905, In: Matthias-Claudius Gymnasium mit Realschule und Vorschule in Wandsbek, ... Bericht über das Schuljahr ..., XXXII. (Zweiunddreißigster Jahrgang) (1904/1905), 2. Geschichte Wandsbecks. Zweiter Teil. Von Professor Eickhoff. (Wird besonders ausgegeben), GVK: 252620348

Weitere Literatur