Gemeinde Reinbek

Reinbek war die größte und südlichste Gemeinde im Kreis Stormarn.

Lage

Die Gemeinde Reinbek wurde im Osten und Südosten durch die Bille vom Kreis Herzogtum Lauenburg getrennt. Im Südwesten befanden sich Hamburg-Bergedorf und Hamburg-Lohbrügge. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz hatte sich 1937 die Grenze zwischen der Provinz Schleswig-Holstein und Hamburg an den Westen der Gemeinde verlagert. Im Nordwesten und Norden grenzte Reinbek an die Gemeinden Glinde und Schönningstedt.

Ortsgliederung

Die Gemeinde bestand aus dem Ortskern nördlich der Eisenbahnstrecke Hamburg–Berlin, südlich davon aus dem Areal um das Schloss Reinbek sowie aus den Villenvierteln an der Bille und an der Wildkoppel. Im Westen lagen der Ortsteil Hinschendorf und die neue Siedlung Wildenhof, im Norden Prahlsdorf.

Geschichte

Mit Einführung der neuen Gemeindeordnung zum 01.04.1935 entstand aus der Landgemeinde Reinbek die Gemeinde im Amtsbezirk Reinbek. 1936 errichtete die Firma Krupp auf dem Gelände im Forst Großkoppel am Karolinenhof die Kurbelwellenwerk GmbH; das Areal ging kurz darauf an Glinde.

In den 1930er-Jahren verzeichneten insbesondere die Ortsteile Hinschendorf und Prahlsdorf einen Zustrom an Einwohnern. 1943 zogen viele ausgebombte Hamburger (Butenhamburger) in ihre Wochenendhäuser in Reinbek. Ein weiterer Bevölkerungszuwachs erfolgte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs durch Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. In der Folge entstand die Siedlung Wildenhof als neues Wohngebiet.

Nach Auflösung des Amtsbezirks wurde die Gemeinde zum 01.05.1948 Eigenamt. Das erste eigene Rathaus wurde am 29.10.1950 eingeweiht. Am 28.06.1952 erhielt Reinbek als vierte Kommune des Kreises die Stadtrechte.

Politik und Verwaltung

Bürgermeister:
Hermann Körner 1951–1952
Wilhelm Kleist 1950–1951
Carl Dobbertin 1948–1950
Alwin Hemken 1946–1948
Carl Dobbertin 1946
Wilhelm Kleist 1945–1946
Eduard Claußen 1935–1945
Bürgervorsteher:
Paul Lingens 1951–1952

Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung

Jahr: Einwohner:
1950 9.424
1948 9.926
1946 9.669
1939 4.046

Wirtschaft

Nach verstärkter Aufsiedlung landwirtschaftlicher Flächen nach dem Zweiten Weltkrieg war die Gemeinde hauptsächlich durch den lokalen Handel, Handwerk und Gewerbe geprägt. Weiterhin spielte der Ausflugsverkehr mit Gaststätten eine entscheidende Rolle.

St.-Adolf-Stift, Postkarte 1932

Infrastruktur

Eine Hauptstraße verlief Richtung Lohbrügge zur südlich gelegenen Verbindung Reichsstraße 5 Hamburg–Bergedorf. Über Nebenstraßen nach Glinde und Schönningstedt konnte die nördlich gelegene Hauptstraße Hamburg–Mölln erreicht werden. Über die Bille führte ein Weg in den Kreis Herzogtum Lauenburg und nach Bergedorf. Seit 1846 war Reinbek an die Bahnstrecke Hamburg–Berlin angeschlossen.

Das Elektrizitätswerk Reinbek-Wentorf am Mühlenteich versorgte die Gemeinde mit Strom.

Die Freiwillige Feuerwehr Reinbek gewährleistete ab 1887 den Brandschutz der Landgemeinde.

Mit dem St. Adolf-Stift besaß Reinbek seit 1884 erstmals ein Krankenhaus.

Seit 1867 war der Ort Sitz des Amtsgerichts Reinbek.

Kultur, Bildung und Sport

Vereine förderten das gesellschaftliche Leben in Reinbek, so der Reinbeker Schützenverein von 1874 e. V. Sportliche Betätigung bot die Turn- und Sportvereinigung (TSV) Reinbek von 1892 e. V.

Für das Wiederbeleben der Kultur nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich das 1946 errichtete Sachsenwald-Theater. Anfang 1947 nahm die u. a. von Arthur Goldschmidt gegründete Volkshochschule Sachsenwald ihre Arbeit auf.

Die Volksschule am Mühlenredder beschulte die Kinder. Als weiterführende Schulen konnten die 1940 errichtete Mittelschule (Realschule) und die Sachsenwald-Oberschule, die spätere Sachsenwaldschule Gymnasium Reinbek, besucht werden.

Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Reinbek hielt in der Maria-Magdalenen-Kirche ihre Kirchenfeiern ab, in der Kapelle des St. Adolf-Stifts fanden katholische Gottesdienste statt. Auf dem Friedhof an der Klosterbergenstraße befindet sich eine Kapelle.

Schloss Reinbek und linkgs davon Elektrizitätswerk am Mühlenteich, Postkarte o. J.

Sehenswürdigkeiten

Das Renaissanceschloss Reinbek war seit 1576 das Zentrum des Ortes. Die 1793 aus Granitquadern errichtete Dänenbrücke über die Bille bildete den Übergang zwischen den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg.

Persönlichkeiten

Arthur Goldschmidt GND: 119315599

Links

Zur Geschichte Reinbeks:
www.reinbeker-geschichten.de (Zugriff am 21.09.2020)
www.museumsverein-reinbek.de (Zugriff am 21.09.2020)

Heraldische Wappenbeschreibung (Blasonierung)

In Rot ein silberner Wellenbalken, begleitet von drei im Dreipass mit den Stielen einander zugekehrten Eichenblättern, in der Stellung 2:1.

Wappenerläuterung

Das Wappen wurde von Wilhelm Victor Taubner entworfen und am 22.08.1935 genehmigt. Die dem Wappen der Familie Bismarck entnommenen Eichenblätter symbolisieren den Sachsenwald, der Wellenbalken die Bille. Die Farben Rot und Silber verweisen auf die Zugehörigkeit zum Kreis Stormarn und zum Landesteil Holstein.

Nachfolger

14 400
Gemeinde Reinbek location_city 53.5101740000 10.2506800000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Kreis Stormarn

Verwaltungssitz

Hamburger Straße, Reinbek

GPS-Standort

53° 30' 36'' N, 10° 15' 2'' O

Fläche

7,84 km2

Höhe

27 m über NN

Ersterwähnung / Gründung

01.04.1935

Auflösungsdatum

27.06.1952

Politischer Repräsentant

Bürgervorsteher Paul Lingens

Verwaltungsleitung

Bürgermeister Hermann Körner

Einwohnerzahl

9424

Bevölkerungsdichte

1202,04 Einwohner / km2

Stadt Reinbek: Vorgänger

Literatur

  • Museumsverein Reinbek: 775 Jahre Reinbek ein langer Weg zur Stadt$dBegleitheft zur Ausstellung im Schloss Reinbek - Stormarnzimmer. Reinbek, 2013, GVK: 1010182013
  • Bavendamm, Dirk: Reinbek eine holsteinische Stadt zwischen Hamburg und Sachsenwald. Reinbek, Magistrat der Stadt 1988, GVK: 157602702
  • Davids, Curt: Die Kirchspielvögte, Amtsvorsteher, Gemeindevorsteher und Bürgermeister von 1868-1945. In: Festschrift zur 725-Jahrfeier von Reinbek: 1238 - 1963, Reinbek am Sachsenwalde, (1963), S. 133-134, GVK: 1010301314

Weitere Literatur