Constantin Bock von Wülfingen

Der Verwaltungsjurist Constantin Bock von Wülfingen hatte als erster Landrat während des NS-Regimes das Amt von 1933 bis 1936 inne.

Ausbildung

Constantin Bock von Wülfingen besuchte zunächst in Meißen das Progymnasium, ab 1899 dann die dortige Fürsten- und Landesschule St. Afra, die er 1906 mit dem Abitur abschloss. Danach begann er ein Studium der Rechtswissenschaften in Lausanne (Schweiz). Er wechselte im Herbst 1906 an die Universität in München, ging im Herbst 1907 nach Leipzig und im Frühjahr 1908 nach Göttingen. Dort bestand er 1909 die Erste juristische Staatsprüfung. 1911 promovierte er über „Die Verfügungsbefugnis der Organe des Deutschen Reiches über Reichseigentum“. Im selben Jahr wurde er als Regierungsreferendar bei der Bezirksregierung mit Dienstsitz in Celle zum Landratsamt Steinburg in Itzehoe abgeordnet. 1915 legte er die Große Staatsprüfung für den Verwaltungsdienst ab und wurde zum Regierungsassessor befördert.

Beruflicher Werdegang

1917 kam Constantin Bock von Wülfingen als Regierungsassessor an das Oberpräsidium in Kiel, wo er kommissarisch die Leitung des Polizeipräsidiums und der Militärpolizei im Kriegshafen übernahm. 1920 wurde er zum Oberpräsidium in Koblenz versetzt. Kurzfristig kehrte er, nun für die Reichsfinanzverwaltung am Landesfinanzamt tätig, nach Kiel zurück, ehe er 1921 als Regierungsrat an das Reichsfinanzministerium in Berlin abgeordnet wurde. 1927 erfolgte seine erneute Entsendung nach Kiel. Im April 1933 übernahm Bock von Wülfingen, inzwischen Oberregierungsrat, das Amt des Stormarner Landrats in Wandsbek. Im Dezember 1936 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand überstellt, jedoch bald darauf an die Bezirksregierung in Osnabrück abgeordnet. 1937 wechselte er in die Hamburger Staatsverwaltung, wo er 1940 zum Regierungsvizepräsidenten befördert wurde. Kurz nach Kriegsende ließ er sich aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzen.

Lebenslauf

Constantin Bock von Wülfingen stammte aus einem niedersächsischen Adelsgeschlecht, deren zahlreiche Mitglieder vor allem eine Verwaltungs- oder Militärlaufbahn einschlugen. Sein Vater war Oberst der Königlich Sächsischen Armee, Landschaftsrat der Calenberg-Göttingen-Grubenhagenschen Ritterschaft und Besitzer des Gutes Bockerode bei Springe. Der Sohn wuchs überwiegend in Sachsen, der Heimat der Mutter, auf. Als Einjährig-Freiwilliger leistete er seinen Militärdienst beim II. Hannoverschen Dragoner-Regiment Nr. 16 in Lüneburg ab. Als Freiwilliger während des Ersten Weltkriegs wurde er im Dezember 1916 schwer verwundet. Nach seiner Genesung erfolgte zunächst sein Einsatz in der Militärverwaltung und Ende 1917 die Entlassung aus dem Militärdienst.

Am 07.09.1918 heiratete er in Hamburg Ella Jebsen, die Tochter eines Kaufmanns und Schiffsreeders. Das Paar bekam bald darauf zwei Töchter. Nach 20 Jahren wurde die Ehe am 07.07.1938 geschieden, und Bock von Wülfingen ging kurz darauf am 01.10.1938 eine zweite Ehe mit Carola Neubauer ein. Sie brachte aus ihrer vorherigen Ehe zwei Söhne mit.

Während des Kapp-Lüttwitz-Putsches am 13.03.1920 in Kiel tätig, zeigte der durch das Kaiserreich geprägte Bock von Wülfingen eine deutschnationale und antirepublikanische Haltung. 1931 trat er der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei und blieb bis Juni 1933 deren Mitglied. Im Dezember 1933 wurde er Mitglied der SA und 1934 im NS-Rechtswahrerbund (NSRB), wo er die Leitung der Fachgruppe Verwaltung übernahm. 1937 erfolgte sein Eintritt in die NSDAP. Allerdings übte er in diesen Organisationen kein politisches Amt aus. 1938 suchte er karrierebedingt um Aufnahme in die Allgemeine SS nach und wurde 1941 zum Obersturmbannführer der NS-Abteilung Nordsee ernannt.

In Bock von Wülfingens Stormarner Amtszeit fielen im Juli 1933 die Auflösung des Kreistags als kommunales Selbstverwaltungsorgan und die Zuständigkeit des Landrats als unterste Instanz der Landespolizeibehörde während der frühen Verhaftungswellen von NS-Gegnern. Zugleich war sie geprägt von fortwährenden Auseinandersetzungen des Landrats mit der NSDAP-Kreisleitung und deren Leiter Erich Friedrich in Bad Oldesloe. Dennoch übernahm Bock von Wülfingen zunächst bei NS-Parteiveranstaltungen repräsentative Aufgaben, verbat sich aber wiederholt die Einmischung der Kreisleitung in innere Angelegenheiten des Landratsamtes.

Bock von Wülfingen engagierte sich für frühe Notstandsarbeiten wie die Regulierung der Trave im Norden des Kreises, um der hohen Arbeitslosigkeit in Stormarn zu begegnen. Er erkannte die Bedeutung Hamburgs für den wirtschaftsstarken Süden Stormarns und setzte sich daher für den Verbleib der Kreisverwaltung in Wandsbek ein. 1936 gab er eine vielbeachtete „Denkschrift über die Struktur des Kreises Stormarn und die dadurch bedingten Verwaltungsaufgaben“ heraus. Parallel setzte er sich in zwei weiteren Denkschriften mit der finanziellen Notlage des Kreises sowie der Personalpolitik der Kreisverwaltung auseinander.

Hatte Bock von Wülfingen zunächst noch die Unterstützung des schleswig-holsteinischen Oberpräsidenten und Gauleiters Hinrich Lohse, wurde er Ende 1936, auch aufgrund der problematischen Finanzpolitik des Kreises sowie seiner Mitarbeiterführung, in den einstweiligen Ruhestand versetzt. In der Hamburger Verwaltung konnte Bock von Wülfingen seine Karriere fortsetzen. Als Regierungsvizepräsident in der Staatsverwaltung des Reichsstatthalters arbeitete er insbesondere an der Umsetzung des Groß-Hamburg-Gesetzes mit. Während des Zweiten Weltkriegs war er Reichsverteidigungsreferent sowie Leiter der Geschäftsführung des Reichsverteidigungskommissars. Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst Ende Mai 1945 ließ sich auf seinem geerbten Rittergut Bockerode nieder. 1948/49 wurde er im Entnazifizierungs- und im Spruchgerichtsverfahren teilweise entlastet.

Werk/Aktivitäten

Constantin Bock von Wülfingen blieb dem Kreis Stormarn auch nach seiner Stormarner Amtszeit zunächst weiterhin verbunden. Gemeinsam mit dem Lehrer und Heimatforscher Walter Frahm gab er 1938 den Sammelband „Stormarn. Der Lebensraum zwischen Hamburg und Lübeck“ heraus.

Bedeutung

Als erster NS-Landrat Stormarns stand Constantin Bock von Wülfingen einerseits für die konsequente Umsetzung der frühen Gesetze und Verordnungen des NS-Regimes. Andererseits stellte er die Entwicklung des Kreises in den Mittelpunkt seines Handels. Davon zeugen vor allem die Denkschriften zum Kreis Stormarn als auch die Konflikte mit dem NSDAP-Kreisleiter.

Ehrenämter

Constantin Bock von Wülfingen war Ehrenritter des St. Johanniterordens.

Ehrungen und Preise

1914 Eisernes Kreuz II. Klasse
1916 Eisernes Kreuz I. Klasse

Persönlichkeiten

Erich Friedrich GND: 130471356
Hinrich Lohse GND: 117197203

Vorgänger

Nachfolger

Familienname

Bock von Wülfingen

vollständige Vornamen

Julius August Jobst Constantin

Rufname

Constantin (Konstantin)

Geburtsdatum

11.08.1885

Geburtsort

Grimma (heute Sachsen)

Sterbedatum

01.01.1954

Sterbeort

Bockerode (heute Springe/Niedersachsen)

Begräbnisort

Springe-Völksen (Niedersachsen)

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Verwaltungsjurist, Ministerialbeamter

Funktionen, Rang

Landrat 1933–1936, Regierungsvizepräsident 1940–1945

Ehe-/Lebenspartner

1. Ehe: Ella Bock von Wülfingen, geb. Jebsen (1896-1960); 2. Ehe: Carola Bock von Wülfingen, geschiedene Neubauer, geb. Turnau (1891-1979)

Kinder

zwei Töchter und zwei Stiefsöhne

Eltern

Curt Carl Friedrich Wilhelm Jobst Bock von Wülfingen (1850-1940), Constanze Margarethe Bock von Wülfingen, geb. von Zezschwitz (1858-1940)

Landrat: Amtsinhaber

Literatur von der Person

  • Stormarn der Lebensraum zwischen Hamburg und Lübeck : eine Landes- und Volkskunde. Hamburg, Hartung 1938, GVK: 043954529
  • Bock von Wülfingen, Konstantin: Denkschrift über die Struktur des Kreises Stormarn und die dadurch bedingten Verwaltungsaufgaben. Wandsbek, Kreis Stormarn , GVK: 884400727
  • Bock von Wülfingen, Konstantin: Denkschrift über die finanzielle Notlage des Kreises Stormarn Ursachen, Bedeutung, Vorschläge. Wandsbek, Kreis Stormarn , GVK: 1016050690
  • Bock von Wülfingen, Konstantin: Denkschrift über die Personalverhältnisse des Kreises Stormarn. Wandsbek, Kreis Stormarn 1936, GVK: 1016050909
  • Bock von Wülfingen, Constantin: Die Verfügungsbefugnis der Organe des deutschen Reiches über Reichseigentum. Göttingen, 1911, GVK: 234554886

Literatur

  • Müller, Henning K.: Die Stormarner Landräte und der Nationalsozialismus. [Bad Oldesloe], Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn 2018, GVK: 1040337368
  • Lehmann, Sebastian: Kreisleiter der NSDAP in Schleswig-Holstein Lebensläufe und Herrschaftspraxis einer regionalen Machtelite. Bielefeld, Verl. für Regionalgeschichte 2007, GVK: 512672008
  • Perrey, Hans-Jürgen: Stormarns preußische Jahre die Geschichte des Kreises von 1867 bis 1946/47. Neumünster, Wachholtz 1993, GVK: 152680373

Weitere Literatur