Christian Frederik Hansen

Christian Frederik Hansen war ein dänischer Architekt des Klassizismus, der auch in Stormarn wirkte.

Ausbildung

Als Kind ging Hansen bei einem Porzellanhändler in die Lehre, bevor er 1766 - unterstützt von Johann Hartwig Ernst von Bernstorff - zur Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen wechselte. Vier Jahre später wurde er dort in die Architekturklasse aufgenommen und von Caspar Frederik Harsdorff gefördert. Zugleich durchlief Hansen 1772-1775 eine für die Architekturausbildung verpflichtende Lehre im Maurerhandwerk, die er mit dem Gesellenbrief abschloss. Nach seinem 1779 bestandenen Architektur-Examen ernannte ihn Christian VII. von Dänemark am 03.10.1781 zum Baukondukteur. 1782-1784 reiste Hansen mit einem Stipendium der königlichen Familie zur Weiterbildung über Wien und Venedig nach Rom.

Beruflicher Werdegang

1784 wurde Hansen zum Landbaumeister des Herzogtums Holstein ernannt, Amtssitz war Altona. Neben seinen öffentlichen Bauten arbeitete Hansen für private Auftraggeber, u. a. für Hamburger und Altonaer Kaufleute.

Auch nach der 1804 erfolgten Verlegung des Amtssitzes nach Kopenhagen blieb er Landbaumeister für Holstein (bis 1799 ohne den Bezirk Kiel), ab 1805 zusätzlich für das Herzogtum Schleswig. 1808 wurde Hansen auf den Lehrstuhl für Architektur der Kunstakademie berufen und zum Oberbaudirektor des Königreiches Dänemark ernannt. Zusätzlich amtierte er ab 1811 mit Unterbrechungen als Direktor der Kunstakademie.

Lebenslauf

Hansen wuchs in Kopenhagen als zweiter Sohn des Schuhmachers und Lederhändlers Matthias Hansen und dessen Ehefrau Anna Marie auf, die am Hof als Amme und Kinderfrau von Christian VII. tätig war. Sein Bruder Peder wurde ein bekannter Theologe. 1792 heiratete Hansen die Justizrats-Tochter Anne Margrethe Rahbek, die Halbschwester des Schriftstellers Knud Lyne Rahbek. Ihre Tochter Anne heiratete mit Gustav Friedrich von Hetsch einen Freund und Kollegen Hansens, nach ihrem frühen Tod ehelichte Hetsch deren Schwester Caroline Augusta. Anlässlich einer Badekur in Nenndorf am Deister 1824 reiste Carl Frederik Hansen zu Studienzwecken durch Deutschland und besuchte u. a. Leo von Klenze in München. Nach der Genesung von einer 1831 erfolgten, schweren Erkrankung arbeitete er bis ins hohe Alter von 88 Jahren.

Dia mit Entwurf für Neubau des Oldesloer Rathauses, (1806)

Werk/Aktivitäten

In Stormarn stand Oldesloe im Zentrum von Hansens Wirken. Nach dem Stadtbrand 1798 gehörte der Architekt – u. a. neben Bürgermeister Christian August Noodt – zur dreiköpfigen Baukommission für den Wiederaufbau. Er entwarf den Plan für einen neuen Stadtgrundriss und lieferte Musterentwürfe für Bürgerhäuser. Zugleich gehörte Hansen zu den Verfassern des "Regulativs für den Wiederaufbau".

Als Einzelbauten entstanden nach seinen Entwürfen die Kornmühle an der Trave, eine Torfscheune an der Sole (1818 nach starker Beschädigung neu errichtet), das heutige Alte Rathaus, das Wach- und Spritzenhaus am Markt (1884 abgebrochen) und das gegenüberliegende Bürgermeisterhaus (1891 abgebrochen). In Zusammenarbeit mit Friedrich August Lorentzen errichtete er später Badepavillons, Restaurationsgebäude und Saalgebäude im Kurpark, darunter das bis 1938 existierende Große Logierhaus. Zwei von Hansen entworfene Brücken über die Trave am Hamburger Tor und den Mühlengraben am Lübecker Tor wurden im frühen 20. Jahrhundert umgebaut.

In Stormarn gestaltete Hansen darüber hinaus das Herrenhaus Fresenburg (1791), zudem wird ihm das Herrenhaus Krummbek in Lasbek zugeschrieben. Sein Gutachten verhinderte 1818 den drohenden Abriss der Seitenflügel von Schloss Reinbek.

International bekannt wurde der Architekt durch seine Wiederaufbau-Projekte in Kopenhagen nach dem Brand des Schlosses Christiansborg 1794, dem Stadtbrand 1795 und dem britischen Kanonenbeschuss 1807. Zu seinen Hauptwerken zählen hier das Rats- und Gerichtshaus (1803-1826) und die Frauenkirche (1811-1826). Letztere gehört – mit ihren von Berthel Thorvaldsen gestalteten Plastiken - zu den bekanntesten Bauten des nordeuropäischen Klassizismus.

Als Hansens bedeutendste Werke in Schleswig-Holstein gelten u. a. die Nervenheilanstalt in Schleswig (1817-1820), die Rathäuser in Plön (1816) und Neustadt (1819) sowie die Marienkirchen in Quickborn (1807-1809) und in Husum (1829-1833) als auch die Vicelinkirche in Neumünster (1828-1834). In Altona prägte Hansen das Stadtbild durch seine Landhäuser und Villen an Palmaille und Elbchaussee.

Bedeutung

Christian Frederik Hansen zählt zu den produktivsten und einflussreichsten Architekten seiner Zeit in Nordeuropa. Zusammen mit Axel Bundsen und Joseph Christian Lillie verkörpert er den dänischen Klassizismus.

Ehrenämter

Hansen wurde 1784 Mitglied und 1791 Titularprofessor der Königlich Dänischen Kunstakademie. Außerdem ernannten ihn mehrere ausländische Akademien zum Ehrenmitglied.

Ehrungen und Preise

1799 Große Goldmedaille der Königlichen Kunstakademie Kopenhagen
1809-1840 mehrere Klassen des Dannebrogordens
1828 Konferenzrat

Besonderheiten

Hansens Grab befindet sich in der Grabkapelle der Holmens Kirke in Kopenhagen.

Persönlichkeiten

Johann Hartwig Ernst von Bernstorff GND: 11614775X
Caspar Friedrich Harsdorff GND: 12120815X
Christian VII. von Dänemark GND: 118930915
Peder Hansen GND: 130121452
Knud Lyne Rahbek GND: 118748866
Gustav Friedrich von Hetsch GND: 116778725
Leo von Klenze GND: 118563211
Christian August Noodt GND: 117054291
Friedrich August Lorentzen GND: 1055258779
Berthel Thorvaldsen GND: 118622323
Joseph Christian Lillie GND: 12462751X
Axel Bundsen GND: 1016161883

Links

Hansen in der Internationalen Architektur-Datenbank: www.deu.archinform.net/arch/2673.htm (Zugriff am 19.12.2020)

Familienname

Hansen

vollständige Vornamen

Christian Frederik (Friedrich)

Geburtsdatum

29.02.1756

Geburtsort

Kopenhagen

Sterbedatum

10.07.1845

Sterbeort

Frederiksberg

Begräbnisort

Kopenhagen

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Berufe

Architekt

Funktionen, Rang

Landbaumeister für Herzogtum Holstein 1784-1844 und Herzogtum Schleswig 1805-1844, Oberbaudirektor des Königreichs Dänemark 1808-1844, Direktor der Königlich Dänischen Kunstakademie 1811-1818, 1821-1827, 1830-1833

Ehe-/Lebenspartner

Anna Margrethe Hansen, geb. Rahbek (1773-1811)

Kinder

Drei Töchter

Eltern

Matthias Hansen (um 1708-1789), Anna Marie Hansen, geb. Malling (1716-1766)

Strukturansicht

Literatur

  • C. F. Hansen, 1756 - 1845, und seine Bauten in Schleswig-Holstein [... erscheint aus Anlaß einer Sonderausstellung über den Architekten "C. F. Hansen in Schleswig-Holstein", Schleswig: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum 1982]. Neumünster, Wachholtz 1982, GVK: 039973107
  • Kamphausen, Alfred: Hansen, Christian Friedrich (C. F.), 29. 2. 1756-10. 7. 1845, Architekt. Neumünster, Wachholtz 1982, In: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck, Neumünster: Wachholtz, 1982, 6 (1982), Seite 115-119, GVK: 355215217
  • Christian Frederik Hansen und die Architektur um 1800. München, Dt. Kunstverl. 2003, GVK: 342919970
  • Zander, Sylvina: Oldesloe und sein Bad 1813 - 1938. Husum, Husum Dr.- und Verl.-Ges. 2013, GVK: 751064777
  • Zander, Sylvina: "Daß Unglück so meine arme Vaterstadt und mir betroffen hat, ist groß..." der Oldesloer Stadtbrand vom 22. Mai 1798. 2010, In: Katastrophen in Norddeutschland, Neumünster: Wachholtz-Verl., 2010, (2010), Seite 107-118, GVK: 1009331175

Weitere Literatur