Butenhamburger

Als Butenhamburger werden jene Hamburger Flüchtlinge und Evakuierten bezeichnet, die während des Zweiten Weltkriegs kriegsbedingt die Großstadt verlassen mussten.

Organisationen

In Stormarn gab es vier lokale Vereine: Verein der Butenhamburger Ahrensburg, Verein der Butenhamburger Bargteheide, Verein der Butenhamburger Großhansdorf-Schmalenbeck, Verein der Butenhamburger Hoisdorf e. V. Sie waren organisiert im Zentralverband der Butenhamburger in Hamburg e. V. (1951–1957). Eine weitere Organisation der Butenhamburger bildete der Zentral-Verband der Fliegergeschädigten, Evakuierten und Währungsgeschädigten e. V. (1948–1974).

Geschichte

Ein Großteil der Butenhamburger, deren Bezeichnung sich vom niederdeutschen Begriff für außerhalb ableitet, waren Bombenflüchtlinge infolge der Luftangriffe auf Hamburg vom 25.07.–03.08.1943. Das Hamburger Umland bildete eines der Hauptauffanggebiete, nach Stormarn kamen innerhalb kurzer Zeit über 23.000 Menschen. Eine wichtige Route zu Fuß war der stillgelegte Abschnitt Hamburg–Lübeck der Bundesautobahn 1, andere flohen mit der Südstormarnschen Kreisbahn.

Als Unterkunft wurden Kleingartenkolonien, neu errichtete Barackenlager, Schulen und Bauernhöfe genutzt. Der Zustrom sorgte für enorme Probleme bei der Beschaffung von Lebensmitteln, Kleidung und Wohnungen.

Die Butenhamburger organisierten sich teilweise vor Ort in Vereinen. Diese entstanden zwischen 1949 und 1951, ihr wichtigstes Ziel war die Rückführung nach Hamburg. Der Ahrensburger Verein blieb bis in die 1960er-Jahre, der Hoisdorfer bis in die 1970er-Jahre bestehen.

Um 1950 lebten noch mehrere tausend Butenhamburger in Stormarn. Die Rückführung erfolgte entweder in Selbsthilfe oder mit staatlicher Unterstützung. Rund 85 % der vor allem in Norddeutschland verstreut lebenden Butenhamburger kehrten in Eigeninitiative zurück. Staatlicherseits organisierte unter anderem das Hamburger Amt für Wohnungswesen ab 1950 Rückführaktionen, in dessen Rahmen bis 1954 insgesamt knapp 18.300 Personen wieder nach Hamburg ziehen konnten. Auf Bundesebene wurden die Maßnahmen durch das Bundesevakuiertengesetz ab 1953 gefördert. Dadurch kehrten bis 1957 insgesamt weitere rund 17.000 Butenhamburger zurück.

Kultur

Die Vereine führten zahlreiche kulturelle Veranstaltungen vor Ort wie Advents- und Weihnachtsfeiern, Kinderfeste sowie Ausflugsfahrten durch. Insbesondere organisierten sie Auftritte Hamburger Künstler in den Hauptevakuierungsgebieten. Die Veranstaltungen, die von der Hamburger Sozialbehörde ab Dezember 1951 finanziell unterstützt wurden, hießen Bunte Abende, Heimat-Abende und Hamburg-Abende.

Besonderheiten

Kurz nach den Bombenangriffen vom Sommer 1943 organisierte das nationalsozialistische Reichspropagandaamt Hamburg mehrere Gruppen von Hamburger Künstlern. Sie führten in den Aufnahmegebieten kulturelle Veranstaltungen durch.

Einige Behelfsunterkünfte für Buten-Hamborger wurden später zu regulären Wohnsiedlungen ausgebaut, beispielsweise die Baggerkuhle in Hoisdorf.

Literatur

  • Siebenborn-Ramm, Kerstin: Die "Butenhamborger" kriegsbedingte Migration und ihre Folgen im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Hamburg, Verl. Verein für Hamburgische Geschichte 1996, GVK: 220673535

Weitere Literatur