Amt Reinbek (1529-1867)

Das landesherrliche Amt Reinbek war als eines der drei altstormarnschen Ämter die untere Verwaltungseinheit in vorpreußischer Zeit. Es nahm administrative, rechtliche und fiskalische Aufgaben für den Landesherrn wahr.

Lage

Das Amt Reinbek war das südlichste Amt im Herzogtum Holstein. Im Osten grenzte es an das Kanzleigut Silk. Von Nordosten bis Südwesten bildete die Bille die Grenze zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg, zur von Hamburg und Lübeck verwalteten Stadt Bergedorf und zur Stadt Hamburg. Im Westen lagen das Gut Wandsbek sowie Gebiete der Ämter Tremsbüttel und Trittau. Im Norden befanden sich das Adlige Gut Ahrensburg und ein Großteil des Amts Trittau, die die Exklave Siek umschlossen.

Ortsgliederung

Das Amt Reinbek umfasste die Dorfschaften Barsbüttel, Boberg mit Ohlenburg, Braak, Glinde, Havighorst, Jenfeld, Kirchsteinbek, Langelohe, Lohbrügge mit Ladenbek und Sande, Ohe, Öjendorf, Oststeinbek, Reinbek, Schiffbek, Schönningstedt, Siek, Stapelfeld, Stellau, Stemwarde und Willinghusen. Im südöstlichen Amtsgebiet lagen 14 königliche Gehölze.

Geschichte

1529 erwarb der dänische König und Herzog von Schleswig und Holstein, Friedrich I. von Dänemark, im Rahmen der Säkularisierung das Kloster Reinbek samt den dazugehörigen Dörfern. In der Folge wurde daraus das Amt Reinbek als untere Verwaltungseinheit gebildet. 1544 fiel dieses durch die zweite Landesteilung an den Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, Adolf I., und gehörte zum Herzogtum Gottorf. Sitz des Amtes war Schloss Reinbek, wo der eingesetzte Amtmann den Landesherrn repräsentierte. 1579–1634 und 1733–1739 war diese Funktion vakant. Die Aufgaben wurden dem Amtsschreiber übertragen, dem die Verwaltung oblag. Der Hausvogt hatte die Aufsicht über sämtliche herrschaftlichen Gebäude des Amtes. Die Dienstpflichtigen hatten Abgaben sowie Hand- und Spanndienste auf dem Vorwerk Hinschendorf zu leisten. Weitere Einnahmen kamen aus der Verpachtung von Höfen und Vorwerken sowie der zahlreichen im Amt gelegenen Mühlen.

Ab 1609 wurde das zerrissene Amtsgebiet sukzessive arrondiert und verkleinert. Zunächst gingen die Dörfer Grande, Köthel und Witzhave an das Amt Trittau im Tausch gegen die ehemals zum Hamburger Domkapitel gehörenden Dörfer Barsbüttel, Oststeinbek, Stemwarde und Willinghusen. 1646 erfolgte der Verkauf von Tonndorf an das Adlige Gut Wandsbek. Der Streubesitz in Altengamme und Curslack wurde 1650/51 an Hamburg übertragen. Die 1750 an Hamburg verpfändeten Geestdörfer Boberg, Glinde, Havighorst, Kirchsteinbek, Lohbrügge, Öjendorf, Oststeinbek und Schiffbek kamen 1768 wieder zurück, während die Reinbeker Anteile an Besitzungen in Billwerder, der Nettelnburg und Reitbrook sowie das 1571 hinzugekommene Ost-Krauel aufgrund des Gottorper Vergleichs endgültig Hamburg zufielen.

Die Vereinigung des Gottorfer Reststaates mit dem dänischen Gesamtstaat 1773 brachte für das Amt Reinbek die Zugehörigkeit zum königlichen Anteil im Herzogtum Holstein. Wie bereits zuvor hatte das Amt einen gemeinsamen Amtmann mit dem Amt Trittau, der nun allerdings die Amtsgeschäfte ausschließlich von Reinbek aus führte. 1800 übernahm er zusätzlich die Verwaltung des Amtes Tremsbüttel.

Die Annektierung der Herzogtümer Holstein und Schleswig durch Preußen 1867 mit Errichtung Landkreise zog die Auflösung des Amtes nach sich. Der letzte Reinbeker Amtmann Wilhelm von Levetzau wurde zum ersten Landrat des neuen Kreises Stormarn ernannt. Die Amtskommunen wurden der 1868 neu errichteten Kirchspielvogtei Reinbek zugeteilt.

Politik und Verwaltung

Amtmänner/Amtsverwalter (Amtsschreiber):
Wilhelm Friedrich Ludwig Theodor von Levetzau 1866–1867
Adolph von Heintze 1863–1865
Adam Friedrich Adamson von Moltke 1862
Ernst Rantzau 1855–1862
Carl Otto Dumreicher 1853–1855
Ludwig Heinrich Scholtz 1831–1853
Christoph Hartwig von Lowtzow 1802–1830
Andreas August von Hobe 1773–1802
Peter von Bredal 1763–1773
Axel Wilhelm von Wachtmeister 1746–1763
Johann Hugo von Buchwald 1740–1745
Jacob Levin von Plessen 1739–1740
Andreas Ernst von Stambke 1732–1733
Henning Friedrich von Bassewitz 1727–1730
Johann Adolf von Roepstorff 1724–1727
Johann Georg von Dernath 1699–1724
Joachim von Ahlefeldt 1680–unbekannt
Johann Adolf Kielmann von Kielmannsegg 1664–1680
Friedrich von Ahlefeldt 1650–1664
Claus von Qualen zu Siggen 1643–1650
Johann Philipp von Hertingshausen 1634–1640
Jasper von Pentz 1617–1619
Caspar Friedrich Koch 1615–1616
Jost Varendorf 1597–1614
Paul Rantzau 1572–1579
Moritz Rantzau 1570–1572
Paul Rantzau 1566–1570
Johann Rantzau 1546–1565
Heinrich Rantzau 1543–1546
Güntzel von Veltheim 1540–1543
Christoffer von Veltheim 1536–1540
Kai Rantzau 1535
Heinrich Schulte 1534–1535
Detlev von Reventlow 1529–1534

Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung

Jahr: Einwohner:
1867 7.561
1855 6.276
1825 5.002

Wirtschaft

Die Dörfer des Amtes waren überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Viehzucht und Milchwirtschaft sowie Ackerbau mit Getreide spielten eine entscheidende Rolle. Daneben siedelten sich verschiedenste Landhandwerke und lokaler Handel zur Versorgung der Einwohner an. In Reinbek wurden die Amtsbrauerei, eine Branntweinbrennerei sowie eine Ziegelei betrieben.

An der Bille und ihren Nebenflüssen arbeiteten neben Kornwassermühlen mehrere Holz-, Kupfer-, Papier- und Pulvermühlen.

Infrastruktur

Drei Hauptstraßen querten das Amtsgebiet. Im Norden verlief die Landstraße Alt-Rahlstedt–Lübeck über Siek, in der Mitte die Verbindung Hamburg–Mölln über Oststeinbek und Glinde sowie im Süden die Verbindung Hamburg–Bergedorf über Kirchsteinbek, Boberg und Lohbrügge. Über Wege von Lohbrügge sowie von Glinde, Schönningstedt und Ohe war der Amtssitz Reinbek an die beiden südlichen Hauptstraßen angebunden. Weitere Wege verbanden die Dörfer des Amtsgebietes.

Seit 1846 bestand in Reinbek ein Anschluss an die Bahnstrecke Hamburg-Berlin. Die Bille ermöglichte einen schiffbaren Wasserweg zur Elbe.

Die Reinbeker Amtsbrandgilde, der der Branddirektor vorstand, sorgte seit 1703 für den Brandschutz in den Dörfern.

1847 erfolgte die Gründung der Sparcasse für das Amt Reinbek.

Kultur, Bildung und Sport

Ab dem 18. Jahrhundert entstanden sukzessive in nahezu allen Orten Schulen.

Die Dörfer des Amtes waren den Kirchspielen Kirchsteinbek, Siek und dem zum Amt Trittau gehörenden Alt-Rahlstedt mit ihren Kirchen zugeteilt.

Schloss Reinbek, 2020

Sehenswürdigkeiten

Das Renaissanceschloss Reinbek war seit 1576 das Zentrum des Amtes. Die 1793 in Reinbek errichtete Dänenbrücke über die Bille bildete den Übergang zwischen dem Herzogtum Holstein und dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg.

Persönlichkeiten

Friedrich I. von Dänemark GND: 119187620
Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 118812319
Wilhelm von Levetzau GND: 1166423948

Nachfolger

14 400
Amt Reinbek (1529-1867) location_city 53.5073510000 10.2542120000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Kreis Stormarn

Verwaltungssitz

Schloss Reinbek

GPS-Standort

53° 30' 26'' N, 10° 15' 15'' O

Fläche

115 km2

Ersterwähnung / Gründung

1529

Auflösungsdatum

1867

Verwaltungsleitung

Amtmann Wilhelm von Levetzau

Einwohnerzahl

7561

Bevölkerungsdichte

65,75 Einwohner / km2

Kreis Stormarn: Vorgänger

Literatur

  • Meiffert, Nicole: Die Geschichte des Amtes Reinbek 1576 - 1773. Bad Oldesloe, Kreis Stormarn u.a. 1995, GVK: 189611766
  • Museumsverein Reinbek: 775 Jahre Reinbek ein langer Weg zur Stadt$dBegleitheft zur Ausstellung im Schloss Reinbek - Stormarnzimmer. Reinbek, 2013, GVK: 1010182013
  • Bavendamm, Dirk 1938-: Reinbek eine holsteinische Stadt zwischen Hamburg und Sachsenwald. Reinbek, Magistrat der Stadt 1988, GVK: 157602702
  • Heuer, Hans: Aus der Geschichte des Amtes Reinbek vornehmlich in älterer Zeit. In: Festschrift zur 725-Jahrfeier von Reinbek, Reinbek am Sachsenwalde, 1963, (1963), Seite 80-100, GVK: 1010300903

Weitere Literatur