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Ahrensburger Modell

Ahrensburger Modell ist die Bezeichnung für eine partnerschaftliche Betriebsführung von Unternehmensleitung und Arbeitnehmern mit Modellcharakter, entwickelt in der Nachkriegszeit.

Unternehmer Carl Backhaus, 1965

Ursachen und Vorgeschichte

Nach Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg sollte die Demokratisierung in Westdeutschland nach den Vorstellungen einzelner Unternehmerpersönlichkeiten, Gewerkschafter und Sozialwissenschaftler auch die Strukturen in der Wirtschaft umfassen. Anstrebt wurden flache Hierarchien und mehr Eigenverantwortung für die Beschäftigten. Mit diesem Anspruch erwarben 1945/46 die Hamburger Unternehmer Carl Backhaus und Hans Rodmann die 1910 gegründete Im- und Exportfirma Johann Friedrich Behrens. Sie stiegen in die Produktion von Heftklammermaschinen, später Befestigungsmitteln, ein und zogen mit dem schnell wachsenden Unternehmen 1951 nach Ahrensburg.

Zeitungsartikel zum Ahrensburger Modell, 1971

Verlauf und Akteure

Ab 1948 führten Carl Backhaus und Hans Rodmann eine Gewinnbeteiligung für die damals 20 Personen umfassende Belegschaft ein. Zur Schaffung einer formalrechtlichen Grundlage für ein Partnerschaftsverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern firmierte die Firma Behrens 1958 in eine Kommanditgesellschaft (KG) um. Der betriebliche Gesellschaftsvertrag von 1960 wurde unter dem Namen Ahrensburger Modell bekannt.

Um steuerliche Nachteile der als Kommanditisten am Unternehmen beteiligten Arbeitnehmer aufzuheben, fand 1967 eine erneute Umfirmierung in eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) statt. Die nun als stille Gesellschafter freiwillig daran beteiligten Arbeitnehmer – 1969 waren es 152 von 400 Beschäftigten – kamen in den Besitz von Firmenanteilen und in den Genuss von Gewinnausschüttungen. Die Mitbestimmung fand innerhalb der Gesellschafterversammlung statt, kontrolliert durch einen Beirat, in dem die Mitarbeiter die Mehrheit besaßen. Nicht am Modell teilnehmende Mitarbeiter profitierten u. a. von guten Gehältern, einem unbeschränkten Recht auf Bildungsurlaub und Rationalisierungsschutzabkommen. Während der Wachstumsjahre 1950-1973 wurden weitere Produktionsstätten in den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, USA und Mexiko errichtet.

Mit dem Konjunktureinbruch 1973 und der anschließenden Rezession setzten die ersten Forderungen von Angestellten nach Auszahlung ihrer Kapitaleinlagen ein. Der Betrieb kam u. a. hierdurch in Liquiditätsschwierigkeiten, die 1977 auf Drängen der Banken zur Umfirmierung in eine Aktiengesellschaft (AG) führten. Dieser Zeitpunkt markiert das Ende des Ahrensburger Modells. Von den damals 500 Mitarbeitern waren etwa 260 am Modell beteiligt, sie hielten 92 % des Stammkapitals. Der allmähliche Verkauf der Firmenanteile durch die angestellten Anteilseigner ermöglichte die Übernahme durch firmenfremde Kapitalgeber.

Folgewirkungen und heutige Bedeutung

Das während der Laufzeit des Modells entstandene offene und vertrauensvolle Verhältnis zwischen Belegschaft und Betriebsleitung wirkte in der Joh. Friedrich Behrens AG lange nach. Seinerzeit breit diskutiert, gilt das Ahrensburger Modell auch heute noch als eines der interessantesten Partnerschafts- und Mitbestimmungsmodelle im Unternehmensbereich.

Persönlichkeiten

Carl Backhaus GND: 1327085844

Beginn

1948

Ende

1977

Orte

Ahrensburg

Literatur

  • Das Ahrensburger Modell Ein Weg zur Demokratisierung d. Wirtschaft. (Carl Backhaus zum 70. Geburtstag.) Hrsg. von Arnulf Geißler u. Wolfgang Fricke. (Ahrensburg, Carl Backhaus-Stiftung) , GVK: 430054165

Weitere Literatur