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Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf

Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf herrschte im 16. Jh. über einen Großteil des heutigen Kreises Stormarn und war Bauherr des Schlosses Reinbek.

Lebenslauf

Als zweitjüngster Sohn von Friedrich I. von Dänemark wurde Adolf auf der Duburg (Flensburg) geboren. Er wuchs v. a. auf Schloss Gottorf auf und wurde ab 1538 vier Jahre lang am Hof Philipps I. von Hessen erzogen. 1564 heiratete er dessen Tochter Christine, nachdem er vergeblich um Elisabeth I. von England geworben hatte.

Schloss Gottorf, Stammsitz Adolfs I., 1987

Werk/Aktivitäten

Nach dem Tod von Friedrich I. trieb Adolfs Halbbruder Christian III. von Dänemark ab 1542 die Teilung der Herzogtümer Schleswig und Holstein voran. Auf dem Landtag zu Rendsburg kam es mit der Landesteilung 1544 zur Bildung dreier unzusammenhängender Gebiete. Adolf wählte als Stammsitz Schloss Gottorf und neben Besitzungen in Schleswig auch die holsteinischen Ämter Kiel, Neumünster, Oldenburg, Cismar, Reinbek, Trittau sowie die Stadt Neustadt. Die Adligen Güter und Klöster standen unter gemeinschaftlicher Regierung der Brüder.

Um die mit der Landesteilung übernommenen Verpflichtungen zu bedienen, stand er 1547-1553 in Diensten Karls V. von Habsburg. Ab 1556 war er für dessen Sohn Philipp II. von Spanien als Ratgeber tätig sowie 1568 und 1572 Reiterführer für den Statthalter der Spanischen Niederlande, Fernando Álvarez de Toledo.

Zu einer ersten Vergrößerung von Adolfs Territorium kam es 1556, als er das Erbe der geistlichen Besitzungen seines jüngsten Bruders Friedrich von Schleswig-Holstein antrat. 1559 eroberte er mit seinem Bruder Johann von Schleswig-Holstein-Hadersleben und seinem Neffen Friedrich II. von Dänemark Dithmarschen, dessen Nordteil er fortan regierte.

1571 erwarb er die nun als Amt geführte lauenburgische Vogtei Tremsbüttel u. a. mit den Dörfern Bargteheide, Delingsdorf, Fischbek, Hammoor, Rahlstedt und Tangstedt als Pfand. 1574/75 kam auch das Amt Steinhorst hinzu.

Im Zuge der Reformation hatte Adolf ab 1558 Anspruch auf die Dörfer des Hamburger Domkapitels erhoben. In einem Vergleich vor dem Reichskammergericht erhielt er 1576 Barsbüttel, Bergstedt, Großensee, Hoisdorf, Kronshorst, Lütjensee, Meiendorf, Papendorf, Oststeinbek, Sasel, Sprenge, Stemwarde, Todendorf und Willinghusen auf 50 Jahre gegen jährliche Abgaben zugesprochen. Ein von Adolf 1562 angestrengter Prozess um die lauenburgischen Besitzungen des aufgelösten Klosters Reinbek verlief ergebnislos.

Aus dem Erbe seines Bruders Johann erweiterte er sein Territorium 1580/81 erneut.

Innenpolitisch reformierte Adolf die Verwaltung, Rechnungsführung und das Rechtswesen. Er teilte Hof- und Staatsverwaltung und stellte bürgerliche Akademiker wie den Juristen und Lehnsherren des Adligen Gutes Wandsbek Adam Tratziger ein. Der Einfluss adliger Familien blieb allerdings bestehen. Mit Heinrich Rantzau war Adolf bereits durch die gemeinsame Tätigkeit am Hof Karls V. bekannt. Weitere Mitglieder der verzweigten Familie Rantzau setzte er als Amtmänner ein, z. B. Daniel Rantzau in dem verpfändeten hildesheimischen Amt Peine.

Neben der Erweiterung des Schlosses Gottorf und der Fortführung des Schlossbaus in Kiel ließ Adolf Neubauten in Husum und Tönning errichten. Auf dem Gelände des Klosters Reinbek initiierte er 1572 den Bau von Schloss Reinbek mitsamt Schlosspark im Stil der niederländischen Renaissance. Die Anlage diente allein repräsentativen Zwecken und verzichtete als erster herrschaftlicher Bau in Schleswig-Holstein auf militärische Schutzvorrichtungen. Adolf verbrachte regelmäßig den Sommer in dieser Nebenresidenz. In den 1570er-Jahren ließ er die Burg Trittau zum Schloss umbauen.

Schloss Reinbek, erbaut von Adolf I., 2018

Bedeutung

Adolf I. gelang durch Erbschaften, Eroberungen, Pfandherrschaft und Prozesse die Verdoppelung seines Machtbereichs, sodass Ende des 16. Jh. auch ein Großteil des heutigen Kreisgebiets unter seiner Herrschaft bzw. der gemeinschaftlichen Regierung der Herzöge stand.

Seine Modernisierung der Verwaltung zeigt den Übergang vom Mittelalter zu einer frühneuzeitlichen Staatsorganisation.

Als Bauherr von fünf Schlossum- bzw. -neubauten trieb er die Renaissancearchitektur in Schleswig-Holstein voran und demonstrierte damit seine Macht in allen Teilen seines Territoriums.

Ehrungen und Preise

1560 Verleihung des Hosenbandordens

Husum: Herzog-Adolf-Straße
Reinbek: Herzog-Adolf-Straße (seit 1973), Herzog-Adolf-Brücke

Gemälde von Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf und seiner Ehefrau im Treppenhaus des Schlosses Reinbek, 2025

Besonderheiten

Im Foyer von Schloss Reinbek hängt die Kopie eines Porträts von Adolf I. Das originale Ölgemälde im Schwedischen Nationalmuseum fertigte ein unbekannter Künstler um 1586.

Persönlichkeiten

Friedrich I. von Dänemark und Norwegen GND: 119187620
Philipp I. von Hessen GND: 11859382X
Christian III. von Dänemark GND: 119217120
Johann von Schleswig-Holstein-Hadersleben GND: 102326517
Friedrich von Schleswig-Holstein GND: 136198473
Karl V. von Habsburg GND: 118560093
Philipp II. von Spanien GND: 118593862
Fernando Álvarez de Toledo GND: 118686704
Friedrich II. von Dänemark GND: 118703188
Adam Tratziger GND: 124644783
Daniel Rantzau GND: 138402191
Heinrich Rantzau GND: 11898716X
Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf GND: 102032491
Sophie von Pommern GND: 104104104

Geburtsdatum

25.01.1526

Geburtsort

Flensburg

Sterbedatum

01.10.1586

Sterbeort

Gottorf

Geschlecht

männlich

Religion

evangelisch

Funktionen, Rang

Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf; ab 1556 Bischof von Schleswig; ab 1557 Oberbefehlshaber Niedersächsischer Reichskreis

Ehe-/Lebenspartner

Christine von Hessen (1543–1604)

Kinder

fünf Töchter, fünf Söhne, darunter Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf

Eltern

Friedrich I. von Dänemark und Norwegen (1471–1533); Sophie von Pommern (1498–1568)

Literatur

  • Landt, Matthias : Die Schlossbauten des Gottorfer Herzogs Adolf im 16. Jahrhundert. Kiel, Mühlau 1986, GVK: 160616603
  • Bock, Günther : Studien zur Geschichte Stormarns im Mittelalter. Neumünster, Wachholtz 1996, GVK: 274715074
  • Meiffert, Nicole : Die Geschichte des Amtes Reinbek 1576–1773. Bad Oldesloe, Kreis Stormarn u. a. 1995, GVK: 189611766
  • Christen, Adolf : Die altstormarnschen Ämter Reinbek, Tremsbüttel und Trittau. 1974, In: Die verkehrspolitische Entwicklung in Stormarn unter den Schaumburger Grafen, Neumünster: Wachholtz, 1974, (1974), S. 52–68, GVK: 1002688760
  • Henningsen, Lars N. : Die Herzöge von Gottorf. 2008, In: Die Fürsten des Landes, Neumünster: Wachholtz, 2008, (2008), S. 143–185, GVK: 100006056X

Weitere Literatur