Adliges Gut Jersbek

Das Adlige Gut Jersbek war eines der älteren und großen Güter in Stormarn.

Lage

Das Gut lag östlich der Alster. Benachbart waren im Norden das Adlige Gut Borstel, im Osten das Amt Trittau sowie das Amt Tremsbüttel, im Südwesten die Stadt Hamburg und das Adlige Gut Wulksfelde, im Westen das Adlige Gut Stegen sowie das Amt Trittau und das Amt Tremsbüttel.

Ortsgliederung

Zum Adligen Gut gehörten die Dörfer Bargfeld, Nienwohld und Elmenhorst, die Parzellistenkommune Jersbek sowie der Gutshof Jersbek.

Große Armenkate (verfallen), ca. 1975

Geschichte

Das Adlige Gut entstand am 06.12.1588 durch Abspaltung vom Adligen Gut Borstel im Rahmen einer Erbteilung aus dem Hof Jersbek und den Dörfern Bargfeld, Elmenhorst, Nienwohld, Rade und Wulksfelde sowie den Siedlungen Ehlersberg und Rethfurt. 1599–ca. 1650 kam Wulksfelde zwischenzeitlich in den Besitz der Herzöge von Holstein, ehe es nach Niederlegung des Dorfes 1662 in einen Meierhof umgewandelt wurde.

Bis 1705 blieb das Adlige Gut Eigentum der Familie von Buchwaldt. Hans Adolph von Buchwaldt stiftete 1675 in Bargfeld das Große Armenhaus, verbunden mit einer Kapitalstiftung.

Bendix von Ahlefeldt ließ ab 1726 den Barockgarten Jersbek neu anlegen. Unter ihm entwickelte sich das Gut zu einem gesellschaftlich-kulturellen Mittelpunkt, mit Konzerten, Ballett- und Opernaufführungen im Gartenhaus.

Der Enkel Bendix von Oberg veräußerte 1771 den Meierhof Wulksfelde mit Ehlersberg und Rethfurt, dem Dorf Rade mit Sandfeld und der Kornwassermühle Rade sowie Anteilen der ab 1649 entstandenen Siedlung Wiemerskamp. 1772 verkaufte er auch den Meierhof Mönkenbrook, der 1757 aus einer ab Ende des 17. Jahrhunderts entstandenen gleichnamigen Siedlung hervorgegangen war.

1774 erwarb Paschen von Cossel den Haupthof Jersbek mit den verbliebenen Dörfern. Ab 1786 hob er die Leibeigenschaft für zahlreiche Hufner auf und übertrug ihnen Höfe mit Zeit-, später mit Erbpachtverträgen. Hieraus entstand die weit verstreute Parzellistenkommune Jersbek. Außerdem ließ Cossel das Kleine Armenhaus in Bargfeld erbauen.

Der Gutsbesitzer Carl Ludwig Thierry und sein Sohn Johann Ludwig kauften in den 1820er-/30er-Jahren in Konkurs gefallene Höfe für das Gut zurück. 1830 wurde ein weiteres Armenhaus im Jersbeker Teil von Wiemerskamp errichtet.

1840 gelangte das Gut durch Verkauf an Theodor von Reventlow. Dieser erhob die Güter Jersbek und Stegen durch testamentarische Bestimmung vom 23.03.1871 mit Wirkung nach seinem Tode zu einem Fideikommiss.

Seit 1713 gehörte das Adlige Gut Jersbek zum Itzehoer Güterdistrikt. Mit dem benachbarten Adligen Gut Stegen hatte es seit seiner Errichtung immer einen gemeinsamen Eigentümer. Die Bewirtschaftung erfolgte in der Regel durch verschiedene Gutspächter.

Aufgrund der preußischen Verwaltungsreformen ab 1867 wurde das Adlige Gut Jersbek zum 30.04.1872 in den Gutsbezirk Jersbek überführt, die Gutsdörfer und die Parzellistenkommune wurden zu Landgemeinden.

Politik und Verwaltung

Gutsbesitzer:
Theodor von Reventlow 1840–1872
Johann Ludwig Thierry 1827–1840
Carl Ludwig Thierry 1819–1827
Eberhard Christopher von Cossel 1805–1819
Paschen von Cossel 1774–1805
Bendix von Oberg 1761–1774
Adolph Jasper von Ahlefeldt 1757–1761
Bendix von Ahlefeldt 1705–1757
Jasper von Buchwaldt 1695–1705
Hans Adolph von Buchwaldt 1629–1695
Jasper von Buchwaldt 1610–1629
Hans von Buchwaldt 1588–1610

Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung

Jahr:Einwohner:
18712.175
18671.824
18551.852
18411.768
1736ca. 620

Wirtschaft

Hauptgrundlage der Gutswirtschaft waren Ackerbau und Vieh-, Milch- sowie Forstwirtschaft. Die gutseigene Meierei diente der Produktion von Molkereiwaren, die nach der Zwischenlagerung im Eiskeller nach Hamburg vermarktet wurden. Im Nienwohlder Moor fand Torfabbau statt.

Nach dem Abriss der Elmenhorster Windmühle 1820 standen noch die Kornwassermühle und die Holländermühle in der Bargfelder Ansiedlung Gräberkate zur Verfügung.

In den Gutsdörfern und der Parzellistenkommune gab es zahlreiche Landhandwerker sowie mehrere Händler und Gastwirtschaften, darunter der Fasanenhof Jersbek. In der Parzellistenkommune stand an der Langenreihe eine Ziegelei.

Infrastruktur

Die 1837–1840 zur Hauptlandstraße ausgebaute alte Fracht- und Heerstraße zwischen Lübeck und Hamburg führte über Elmenhorst und Bargfeld durch das nördliche Gutsgebiet. Eine 1840–1843 ausgebaute Nebenlandstraße verband Elmenhorst mit Bargteheide, Ahrensburg, Wandsbek und Hamburg.

Die Jersbeker Allee war die Hauptzufahrt zum Hof Jersbek aus Richtung Hamburg über Duvenstedt und Wiemerskamp.

Kultur und Freizeit

Schulen gab es in Bargfeld seit 1688, in Elmenhorst seit ca. 1770, in Nienwohld ab 1787 und in Jersbek an der Jersbeker Allee seit 1830. Ab 1837 galt im Gut für alle Schulen ein Schulregulativ.

Das Adlige Gut und die Gutsdörfer gehörten zum Kirchspiel Sülfeld. Der Jersbeker Gutsherr hatte einen eigenen Kirchenstuhl in der Sülfelder Kirche und ein Mitspracherecht bei der Neubesetzung der Pfarrstelle.

Barockgarten Jersbek: Kupferstich von Christian Fritzsch, 1747

Sehenswürdigkeiten

Mit dem Barockgarten Jersbek besaß das Adlige Gut eine überregional beachtete Anlage, die zahlreiche Besucher anlockte.

Persönlichkeiten

Hans Adolph von Buchwaldt GND: 1049571010
Bendix von Ahlefeldt GND: 1019749806
Paschen von Cossel GND: 130875198
Theodor von Reventlow GND: 13911193X

Nachfolger

14 400
Adliges Gut Jersbek location_city 53.7415800000 10.2236000000

Bundesland

Schleswig-Holstein

Kreis / Kreisfreie Städte

Stormarn

Verwaltungssitz

Jersbek

GPS-Standort

53° 44' 29'' N, 10° 13' 24'' O

Fläche

40,85 km2

Höhe

40 m über NN

Ersterwähnung / Gründung

06.12.1588

Auflösungsdatum

30.04.1872

Politischer Repräsentant

Gutbesitzer Theodor von Reventlow

Verwaltungsleitung

Gutsinspektor Carl Heitmann

Einwohnerzahl

2175

Bevölkerungsdichte

53,24 Einwohner / km2

Strukturansicht

Gutsherr

Dörfer

Kreis Stormarn: Vorgänger

Gut Jersbek: Vorgänger

Literatur

  • Lafrenz, Deert 1944-: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Petersberg, Michael Imhof Verlag , GVK: 841227810
  • Axel Lohr: Die Geschichte des Gutes Jersbek von 1588 bis zur Gegenwart. Neumünster, Wachholtz 2007, GVK: 537458905
  • Hannelies Ettrich: Chronik Jersbek. Jersbek.Klein Hansdorf.Timmerhorn. Jersbek, Eigenverlag 1989, GVK: 160046270
  • Curt Davids: Chronik das alten Gutsbezirks Jersbek-Stegen. Hamburg, Kommissionsverlag Paul Meyer 1945, GVK: 321703855

Weitere Literatur